Donnerstag, 15. August 2013

Rette das Buch

Frisch von meinen Färbetöpfen, bin ich gestern noch schnell losgefahren.
 Ein geschenktes Regal abholen  ( I think it's Schenktime im Hause M)

Naja, das Regal war dann doch nicht so toll. Aber ob ich nochmal schauen wolle, käme alles weg. 
Der gelangweilte Knabe, der dafür zu sorgen hatte, das der Hausstand seiner Großeltern fortkommt, musste mich nicht zweimal bitten.  


 Es war ein erbärmlicher Haufen auseinandergerissener Dinge, an deren hinterem Ende ich 40 antiquarische Bücher gefunden habe.


Eine komplette Schillerausgabe mit geprägten Buchdeckeln. 
 10 Bände von 1876.

Goethe komplett, neueren Datums, und etliche andere, wunderschöne Bücher. 


 Und. Als hätte es auf mich gewartet :
Der Schreck aller Haushaltsschülerinnen seit 1880.

" Das ABC der Küche "
von Hedwig Heyl
Das hauswirtschaftliche Lehrwerk des 19. und 20. Jahrhunderts, das mit Sicherheit mit strengem Regiment der Graus vieler junger Frauen war, die, auf nach der Autorin benannten Schulen, das ernste Fach der herrschaftlichen Haushaltung lernen mussten.  


Ein schweres Buch. Genauso schwer, wie die Gerichte, deren Zubereitung darin beschrieben wird.
 Gerichte die mir und vielen Anderen das kalte Grausen auf die Zunge zaubern würden. 

 Viel, viel Fleisch wurde zubereitet, wurde gebraten, gekocht, gedünstet, eingelegt.
 Für die Herrschaft. Die Bediensteten bekamen Grütze, aßen in der Küche, benutzten den Dienstboteneingang.



Die Kosten für jedes Gericht wurden peinlich genau berechnet.  Bei etlichen Rezepten muss ich schon beim oberflächlichen Durchblättern feststellen, daß ich nicht weiß, um was für eine Speise es sich handelt. Ist vielleicht auch besser so.


Ein zeitgeschichtliches Dokument, an einigen Stellen unfreiwillig komisch, und für mich ein echter Schatz.
.

Ach ja, die unvermeidliche Knopfkiste war auch dabei, eine wunderbare, alte Wolldecke und noch zwei weitere Emaillieschalen. 

Ganz glücklich bin ich dann zu meinen Färbetöpfen zurückgekehrt....

Bücher sind eigentlich nicht mein Ding, aber so wunderschöne Exemplare in die Tonne... das geht echt nicht. 
 Und Sachbücher über meine bevorzugten Themen, auch und gerade antiquarische, machen mir immer wieder Spaß, bringen mich zu Staunen und zum Nachdenken.

In der Zwischenzeit hat meine Rainfarnwollfärbung gut einwirken können.

Mit dem Ergebnis bin ich ganz zufrieden. Morgen mach ich mal ein Gruppenfoto... von meiner gefärbten Wolle.

Guats Nächtle euch allen... 



Kommentare:

  1. Liebe Gitta, ich war wieder weg im Wahren Leben und musste nun erstmal gucken, was Du so machst. Mir scheint, Du bist ein wahrer Findefuchs, sorry- Findefüchsin und ein Glückspilz. Ich liebe sie ja auch so sehr, die lebendigen alten Dinge. Ihre Ästhetik, ihre Geschichten....
    Aber im Stillen- hach, da habe ich eine tiefe Sehnsucht nach Askese...:)
    Leere Räume und Schönes sammeln...eigentlich ganz einfach: man bräuchte nur ein weitläufiges Schloss- oder so.
    Herzlichst
    Lisa

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  2. oder ein weitläufiges Bauernhaus, und Kinder die alte Bücher gut finden und sie ins Kunststudium mitnehmen wollen, das passt schon. Für viele Dinge bin ich nur Durchgangsstation.

    Lg Gitta

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