Donnerstag, 10. September 2015

Der September


Obwohl dieser Monat schon mit jeder Menge persönlichem Glück aufgewartet hat, bin ich ein wenig schreibunsicher im Moment. 


Meine Highlights waren bisher.... Beim Umräumen meines  Kleiderschranks treffe ich meine liebsten Pullover wieder und begrüße sie wie alte Bekannte.

  Auf dem Einkaufszettel steht "Streichhölzer" und die Temperaturen geben mir die Erlaubnis, am Abend ein kleines Ofenfeuerchen zu machen.(ich liebe das)


Ein wunderbares Treffen mit einer warmherzigen Bloggerbekanntschaft wird zu inspirativen Kurzreise.  Und für diesen Monat liegen auch noch einige Konzertkarten bereit.
Zum Beispiel von dieser Dame.



 Aber auch ein kleines persönliches Unglück hat der September schon geboten.

Katze Stöpsi unsere dienstälteste Miez, ist seit gestern spurlos verschwunden. Bis dato scheinbar bei guter Gesundheit, hat sie die letzten sonnigen Tage meist, im nachhinein alarmierend tief, schlafend verbracht. 

Ich glaube unser Wildkatz hat sich irgendwohin zurückgezogen. Vielleicht hat sie gefühlt, daß ihr Ende naht. 


Schade. Ich hätte mich gern verabschiedet.

 Am schönsten aber bisher in diesem September : die Nachrichten, die am Sonntag während meiner Rückfahrt von Lisa durchs Radio liefen.
 Die freundliche Stimmung, die zeigt, daß viele gute und menschliche Kräfte in diesem Land wirken.Auch wenn die großen Aufgaben erst noch auf die Flüchtlinge und alle Helfer warten, es ist gut, das dieses Land die Grenzen geöffnet hat für Menschen, die alles verloren haben.

ein Foto mit symbolischer Bedeutung, mein Mann repariert alte Fahrräder für Flüchtlingskinder und die Spinne spinnt sie ein....

Wir sind auf jeden Fall dabei und helfen, wo wir können, auch nach der ersten Euphorie.  Da gibt es eine Menge Ämterkram zu regeln, der alles andere als spaßig ist, aber besonders hier brauchen die Flüchtlinge Hilfe, denn ohne Deutschkenntnisse ist schon das eine große Hürde.  

 Bei all dem verschieben sich gerade meine Prioritäten. 

Vieles, was mir wichtig erschien, ist es eigentlich gar nicht, und so kann ich im Moment gar nicht unbefangen über meine Inhalte und meine Freude schreiben...
Auch wenn ich weiß, daß ich glücklich und zufrieden sein darf, das geradezu die Voraussetzung dafür ist, Anderen zu helfen. 


 Versteht Ihr, was ich meine ?  

Nicht nur der Abschied vom aktiven Muttersein, auch das Wissen, daß vor unseren Toren menschliche Dramen unvorstellbaren Ausmaßes passieren, verändern für mich Einstellung und Wertung. 

Wie geht Ihr damit um ? 

 Hier das eigene persönliche Glück und dort Not und Elend der Flüchtlinge.....
  



Kommentare:

  1. Du Liebe Gitta, Du weißt ja, dass ich weiß,was Du meinst....hab mich so gefreut über Deinen guten Geist in meinem Häuschen...und schon zwei Bilder angefangen. :-)
    Sei herzlichst gegrüßt von
    Lisa

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  2. Versteh ich das? Jeder versteht und empfindet wohl ein bisschen anders....
    Der Umgang und Kontakt mit den Flüchtlingen ist jedenfalls sehr bereichernd.
    Seit Mai gebe ich einen Alphabetisierungs- und Deutschkurs für die Flüchtlinge in unserem Ort, die unser Alphabet nicht können oder teilweise überhaupt noch nie in einer Schule waren. (Davon könnte ich viel erzählen - zusammenfassend: es ist spannend, schön, macht uns allen Spaß und ist eine Bereicherung für mein Leben. Ich denke auch, dass viele dieser Menschen eine Bereicherung für unser Land sein können.) Neben diesem Ehrenamt habe ich noch meinen Job als Deutschlehrerin für Zuwanderer...
    Was meine wolligen Luxushobbies betrifft, empfinde ich vielleicht ein bisschen anders als Du:
    Oft habe ich zur Zeit das Gefühl, die Welt steht in Flammen. Einerseits werde ich viel dankbarer für das, was läuft und gut ist in unserem Leben. Vieles erlebe ich intensiver, auch z.B. Spinnen, Weben, den Luxus, mich über unnützen Flohmarktschnickschnack zu freuen usw., aber in dem Wissen, dass das alles letztendlich nicht lebenswichtig ist und keinen Bestand hat, was mir Gelassenheit im Umgang mit diesen Dingen gibt.
    Sodann bin ich arbeitsbelastungsmäßig an einem Punkt, an dem nicht mehr viel dazukommen darf und genau da tut mir die Wollverarbeitung unglaublich gut, konkret, wenn ich mittags ziemlich platt nach Hause komme und ein bisschen Luft habe, bis die Kids kommen.
    Da schlüpfe ich dann buchstäblich für eine Weile in eine andere Welt (Wolle) und tauche aufgeräumt wieder daraus auf.
    Gerade in diesen Zeiten habe ich für mich persönlich weniger als früher das Gefühl, mich für die Zeit, die ich mit Wolle "vertrödle", rechtfertigen zu müssen.
    ... jetzt mach ich mal einen Punkt, auch wenn es noch viel zu sagen gäbe.
    Danke, dass Du Deine Gedanken in Deinem Blog mit-teilst.
    LG Hummelbrummel

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  3. Ich wünsche Stöpsi, das es ihr gut geht, wo sie ist.
    Meiner Meinung nach haben wir alle auch eine große Verantwortung für unser eigenes kurzes kleines wertvolles Leben, dass uns auf dieser Erde geschenkt wurde.
    Und ich habe mich schon immer mit dem Leid und Elend auf dieser Welt beschäftigt und versucht, nach meinen Möglichkeiten zu helfen, ich befürchte, es gerät gerade ein wenig in Vergessenheit, dass die Not auch groß ist bei denen, die bleiben....
    Liebe Grüße

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  4. Liebe Gitta, zuerst alles Liebe für Eure Katze, wo immer sie ist ... In dieser Zeit des Abschiednehmens ist es bezeichnend, dass auch uns lieb gewordene Menschen, Tiere und Pflanzenwesen in die Metamorphose gehen.
    Mit Sorge sehe ich das Leid der geflüchteten Menschen. Mit Sorge auch, die Spaltung der Deutschen, die helfen wollen und derer, die eine Überfremdung oder anderes fürchten. Aber vielleicht ist das auch gut so ...? Ich hoffe sehr, dass das Gute überwiegt - kurz- und längerfristig. Dass wir den Menschen gegenüber Verantwortung haben, nicht aber politischen Systemen. Das wir uns weiterhin trauen, unsere Mitmenschlichkeit zu leben.
    In mir denkt und fühlt es gerade sehr nach allen Seiten.Ich versuche erst mal nur hinzuhören und hinzusehen.

    Alles Gute
    Erika

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