Dienstag, 30. August 2016

Hotter than july oder : Spinnst du noch ?


Dieser, für mich sehr wechselhafte August verabschiedet sich heute, am vorletzten seiner Tage mit wunderbarem, sozusagen traumhaftem Wetter.


Vorbei die komaauslösende Hitze der letzten Woche und wenns nach mir geht, braucht die auch nicht nochmal erscheinen.

 Gerupft hat er mich, dieser August. Nicht nur wegen der Hitze. Zwei meiner betagten Katzenladys sind verstorben, auch sonst jede Menge Veränderung und Arbeit und gestern ist dann noch überraschend mein kleiner Hahn Muttchen von uns gegangen.

Alles, aber auch alles, sieht nach Reduktion aus.

Diese schlafende Mieze ist unsere "Mütze", mit 14 Jahren im Moment unsere Dienstälteste.
Mütze geht es gut. 

Nicht so die Beschäftigung mit meinen Wollen. Obwohl das Wetter geradezu die Wollwäscherin in mit herausforderte, habe ich im vergangenen Monat etliche Meter aus ungewaschener Rohwolle ersponnen.

von links nach rechts: blue Texel, Rauhwoller ( auf meinem antiken Rad gesponnen,) ostfriesisches Milchschaf...

Ich wollte die Textur der sonnengebleichten Wollspitzen erhalten und nach kurzer Zeit hatte ich mich an die veränderten Bedingungen und auch an den Geruch ( it smells like sheep spirit !) gewöhnt.

herbstlich : trockene Dolde der wilden Möhre, verstricktes, wildes Schaf....

Ich finde, die ungewaschen gesponnene Wolle, ( die natürlich NACH dem Spinnen gewaschen wird) ist viel, viel weicher.

dieses verschwommen-weiche Gestrick wird eine Jacke....
  Deshalb werde ich, nach Vorsortierung der Vliese, auch weiterhin einiges an Wolle ungewaschen verspinnen.


Die alte Bank ist ein Fundstück der letzten Wochen. Im nächsten Jahr will ich sie ein wenig " aufpolieren".

Obwohl ich in diesem Gartenjahr nichts außer Tomaten angebaut habe, (auch das ist der allgemeinen Veränderung zum Opfer gefallen), wachsen mir im Moment von allen Seiten Obst- und Beerengeschenke entgegen.


 Unmöglich, daran vorbeizugehen, und so habe ich Glas für Glas, eine feine Auswahl umwerfend, leckerer Marmeladen herstellen können ( pur und einfach).

 Die überraschend ausgebrüteten Hühnchen entwickeln sich gerade zu putzmunteren Hühnerteenies, die,


unter Obhut Ihrer Mütter und des überaus freundlichen Hühnervaters schon seit einer Woche den gesamten Garten erforschen.


 
Besonders morgens, beim Öffnen des Hühnerstalls begeistern mich die Kleinen mit ihrer Lebensfreude und ihren Spässchen ( ja, auch kleine Hühner spielen).


Im kommenden September wird es für mich ein paar Tage Resturlaub geben, und die werde ich auf jeden Fall nutzen um  : den Herbst zu geniessen und meine Renovierungspläne im Haus umzusetzen.
 Tapetenrollen und neuer Teppich stehen schon bereit. Und mit 4 freien Wochen am Stück lässt sich schon was anfangen ! Jepp !


Ach so : Ich spinne noch. 
Spinnen ist großartig !

Dienstag, 23. August 2016

Ist er Moslem oder Christ ?



Vielleicht interessiert es jemanden, wie es weitergegangen ist, mit meiner "Hilfe" für Flüchtlinge. Die ihren Anfang nahm, als ich im letzten Jahr befand, daß betroffen gucken nicht genug sei, wenn es um Flüchtlinge, angekommene , überhaupt alle geht.

 Man hatte mich zu einem kriegsverletzten, jungen Mann geschickt um dort Anfangsunterricht im Deutschen zu geben .

 Mich, ausgerechnet, mit meinem abgebrochenen Pädagogikstudium. 
 Also klebten und bastelten wir Kärtchen mit Vokabeln, und stammelten uns durch die ersten Stunden. Den ersten Ramadan habe ich mit einer gesamtfamiliären Depression verwechselt, so wenig Ahnung hatte ich, so zurückgenommen und still, so müde und blass war die Familie.

Dann ging es langsam aufwärts. Mit uns. Ich begriff, daß ich die Schuhe ausziehen muss, wenn ich den Wohnzimmerteppich betrete und daß ich niemals angebotenes Essen ablehnen darf. Die Familie begriff, daß ich nicht von der Regierung komme, daß ich keinerlei Kontrollfunktion habe, daß ich nicht reich bin und daß Familie und Beruf für Frauen in Deutschland keine Ausschließlichkeiten sind. 


Seither sind eineinhalb Jahr vergangen. Die Familie und ich, wir haben schon Einiges durch.
In Sicherheit zu sein heisst nicht, keine Konflikte zu haben. 
In Sicherheit zu sein heisst, sich mit Rollenbildern, eigenen Wünschen und Erwartungen auseinanderzusetzten und das auf dem Hintergund eines riesigen Verlustes. Dem Verlust fast aller Sicherheiten, von geliebten Menschen und von Heimat.
 Wir haben uns umschlichen, manchmal einander nicht getraut.
 Ich wollte nicht aufgeben und die Familie die Hilfe nicht verlieren.
 Sprache ist eine Barriere. Arabisch habe ich bis heute nicht gelernt. Zu schwierig sind mir die Laute, die mir, obwohl ich sie nicht verstehe, doch seltsam vertraut klingen, wenn ich bei der Familie bin. Und das beiderseitige Lernen geht ständig voran.

Und Stück für Stück haben wir uns kennengelernt.  Uns angeschaut und gemerkt, da gibt es noch etwas anderes außer Sprache, Regeln, Gesetzen.

 Das heisst Intuition, Einfühlung und gemeinsame Freude.
Das heisst beiderseitige Toleranz, Sympathie und guter Wille.

Jetzt ist es nicht mehr schlimm zu sagen," ich verstehe Dich nicht, bitte nochmal".
Die Geduld und die Sicherheit miteinander sind größer geworden. Es muss nicht immer alles sofort verstanden sein. Dann eben mit anderen Worten und Umschreibungen. 


 Die Familie, das hat sich differenziert in einzelne Personen, die unabhängig vom Zusammenhalt, eigene Geschichten haben, an deren Schnittstelle ich dabei sein darf.

 Letztendlich ist aus all dem Anfang ein Vertrauensverhältnis geworden.

 Ich bin in diesem Jahr zum Fastenbrechen eingeladen worden.
 Mein syrischer Schüler hat von seinem bisschen Asylgeld gespart und mir ein Smartphone geschenkt, weil ich nur eine alte Telefonkeule hatte, die außer telefonieren nix konnte. Jetzt habe ich Messenger und Apps und Übersetzer und alle Behördennummern, die ich immer wieder brauche. Hat Khaldoun für mich eingerichtet.

 Und gemeinsam reisen wir weiter durch die deutsche Ämter-und Behördenlandschaft, was nicht immer erbaulich ist, auch keine folkloristische Willkommensparty, sondern umstellt von Ordnern, gezogenen Nummern und endlosen telefonischen Warteschleifen.
 Auch wenn die meisten Menschen, mit denen ich in diesem Zusammenhang zu tun habe, freundlich und hilfsbereit sind. Immer noch.

Wie sagte doch der junge Mann unlängst zu mir. Du bist wie deutsche Mutter und Vater zusammen. Und Freund !


Nun ist, nach eineinhalb Jahren, der Flüchtlingsstatus anerkannt.

 Endlich !

 Nach Abschiebebescheid, dann Duldung wegen Dublin II, Hin-und Her in Emotion und Gesetzeslage.

Drei Jahre Bleiberecht.

 Drei Jahre , in denen die Familie versuchen wird, auf die Beine zu kommen. Das heisst:

  Weiter Deutsch lernen. 
 Gesund werden.
 Arbeit und Wohnung suchen. 
In ein normales Leben zurückfinden 

Und ich gehe gerne mit. Als Freundin !


Anmerkung : Dieses ist ein rein persönlicher Bericht. Er kann nicht vollständig sein, er ist subjektiv und beschreibt zwischen den Zeilen die Freude über meine Freundschaft mit der syrischen Familie. Selbstverständlich enthält er keine Aufnahmen der Familie, sondern nur meine aktuellen Spätsommerfotos. 
Übrigens :" Ist er Moslem oder Christ" ?  Das war die erste und letzte Frage eines Vermieters, der eine interessante Wohnung angeboten hat, die sehr gut für meine Leute geeignet gewesen wäre !  



Dienstag, 16. August 2016

Leinentasche fürs Miele-Rad



 Ein weiteres Taschenexemplar aus der Reihe : Special bags for special bikes, in Extrasonderanfertigung.


Vor ein paar Monaten konnte mein Mann, den man nun wirklich einen leidenschaftlichen Fahrradliebhaber nennen kann, ein altes Miele-Fahrrad ( richtig, ein Fahrrad, keine Waschmaschine, der Mann kennt sich aus), zu einem traumhaft günstigen Preis erwerben und damit vor einer Verwendung als Gartendeko ! bewahren.


Schnell stellte sich heraus : Dieses wunderbare, bis in alle Einzelheiten erhaltene, Original ist fahrtüchtig, ja mehr noch, ein leichtgängiges und alltagstaugliches Lieblingsgefährt.


 Nun wird es fast jeden Tag auf Alltagswegen genutzt. Genau wie bei dem unlängst erworbenen Spinnrad, heisst alt eben nicht immer kaputt, und mit etwas Pflege wird das Veloziped sicher noch viele Jahre seine Dienste tun....


Da nun nicht allen Tagen Sonnenschein beschienen und beschieden ist, braucht der ambitionierte Auf-allen-Wegen-Radelnde entsprechende Regenkleidung für den tröpfelnden Fall. Und wenn er schlau ist, führt er die Wetterausrüstung auf seinen Touren auch treulich mit sich.
  

Dafür wurde eine stilechtes Hülle aus robustem Stoff gewünscht. Ohne Henkel, denn das Futteral soll auf dem Gepäckträger, vergurtet, mitreisen und Regenjacke und Regenhose beherbergen.


Nach kurzem Kramen in meinen Stoffbergen habe ich dieses Behältnis genäht. Alle Stoffe sind alt, Second-Hand oder umgenutzte Teile aus anderen Zusammenhängen. Die Karabinerhaken stammen von einer entsorgten Tasche und die Gurte sind, na klar !... aus Fahrradschläuchen. 


Sind ein bisschen schwer zu verarbeiten ( fragen Sie mal meine Nähmaschine)  , aber zu diesem Zwecke von Materialeigenschaft und Optik gleichermaßen so gut geeignet, daß ich das bisschen rumprobieren gern in Kauf genommen habe.
 

 Gefüttert ist die Tasche mit einem gechinzten Baumwollrest, ich fand das Punktemuster zur Strenge des Oberstoffes sehr schön. ( mann hats ja auch mal ganz gern etwas verspielt )...


Jo, dann erstmal gute Fahrt. Und nicht die Regenklamotten vergessen !  

Samstag, 13. August 2016

Fünf von Zwölf


Die Hühnerkinderchen, vor einer Woche ohne meine Hilfe unter dem Hühnerstall geschlüpft, sind munter und vergnügt. Man könnte sie als ausgesprochen frohwüchsig bezeichnen.


Die fluschigen Babyfedern sind teilweise schon durch richtiges Gefieder ersetzt. Und sie gleichen sich wie kein Ei dem anderen. Nämlich alle verschieden. Nicht nur im Aussehen, sondern auch im Verhalten.

 
Eine Weile habe ich heute im Kückenauslauf gesessen ( doofe, große Henne , weg da !) und ein wenig mit den Kinderchen, die recht handzahm sind, gespielt.


Setzt man sie von den Glucken fort, so gibt es einige, die unter großem Geschrei zu Mami rennen.

 
Andere bleiben einfach sitzen und piepen. Und einige nehmen das Abenteuer an und turnen eine Weile außer Haus herum.


Hübsch und gesund sind sie alle. 

Der Vollständigkeit halber muß ich berichten, daß ich am Montag eine weitere glückliche Mutter, herumstreundend mit zwei Kindern im Hühnergehege aufgegriffen habe. Sie hatte ihre etwas glücklosere Kinderstube unter einer umgedrehten Metallwanne eingerichtet und wurde mit ihren beiden Nachkömmlingen von mir ins sichere Mutter-Kind-Heim verfrachtet.


So sind es denn also 14 ! fluffige Hühnerwesen.

Für Eure einfühlsamen Kommentare zum Tod meiner kleinen Katze danke ich Euch sehr. Es ist schon wichtig, auch ein kleines Tierleben zu achten. 

 Leider, leider und traurigerweise mussten wir heute eine weitere Katze aus unserem Haushalt einschläfern lassen.

 
Die liebe, zickige Fibi hat sich von einem Lungenödem nicht mehr erholt. Viele Jahre wurde das asthmakranke, eigenwillige Katzentier erfolgreich behandelt, aber diese Erkrankung hat ihr chronisch kranker Körper nicht überstanden.

In meiner langen Katzenhaltegeschichte ist es noch nicht vorgekommen, daß in so kurzer Zeit zwei meiner Katzen sterben.
 Es ist schon ein Brett ! Um ehrlich zu sein. Ich wusste, daß Fibi auch sterben wird, seit ein paar Tagen. Und ich bin hier herumgelaufen wie Falschgeld. Ich konnte nicht wirklich etwas tun, nur abwarten ob die Medikamente anschlagen.
Und selber Luftnot haben ! Und wirklich realisiert habe ich die Situation auch noch nicht. 

In nicht mal einem halben Jahr sind aus 6 Katzen 3 geworden. Es ist auf der Katzenseite sehr, sehr  ruhig geworden, denn die beiden chronisch kranken 
Tiere haben auch viel Aufmerksamkeit gebraucht.

Liebe Fibi ! Du eigenwillige Tante. Du warst erst zufrieden, wenn Du beim Essen auf meinem Schoß sitzen durftest. Du warst frech und zugewandt und du wusstest genau, was du willst. 




 Ich hoffe, daß wir der Verantwortung für dein Leben und dein Leid gerecht geworden sind. Machs gut, du schöne Katze und grüß die Lilli.