Sonntag, 30. August 2015

Syrien für Anfänger

Wer schon länger Blogs liest, der weiß... wenn der Laden stagniert, nur noch wenige Posts kommen oder gar keine, dann ist meistens was.  Die Schreiberin hat viel zu tun, hat ein Kind bekommen oder die Ehe kriselt. Jemand wichtiges ist krank oder der Computer ist kaputt. 
Auch ich hab mich ja in den letzten Wochen etwas rar gemacht. Und richtig, da ist was. 
Ich bin runter...

Nein, nicht wegen der Tochter, und dem Hund gehts auch gut. 

Aber von Anfang an. 

Seit Mai, als ich nach einem großen Mittelmeerdrama beschloss, etwas für die Flüchtlingshilfe zu tun, betreue ich einen jungen Syrer und seine Familie.
Sein verpfuschtes Bein, durch einen Bombensplitter zerfetzt und in Syrien in irgendeinem Keller notdürftig zusammengeflickt, hat ihn fast das Leben gekostet. Also beschloss die Familie, das zerstörte Land zu verlassen, um eine bessere medizinische Versorgung für den jungen Mann zu erreichen, und auch, um der kleinen Tochter eine Zukunft zu ermöglichen.


Auf dem Landweg durch Nordafrika geflüchtet und irgendwie nach Spanien gelangt, musste die Familie dort Asyl beantragen...dort gab es jedoch nicht die notwendige Versorgung ( warum ? ), und so zog die Familie weiter und gelangte Anfang des Jahres nach fünfmonatiger Flucht nach Deutschland. 



Zwar wurde hier die medizinische Versorgung bewilligt, aber da die Familie zuerst in einem sicheren Drittland registriert wurde, ist dem Asylantrag in Deutschland nicht entsprochen worden und lediglich eine Duldung zwecks Behandlung gewährt.

 Dublin-Abkommen heisst das.


 So weit so schlecht. An dieser Stelle bin ich zwecks Deutscherstunterichtes in die Familie geschickt worden. Das hab ich dann auch brav gemacht. Obwohl ich keine Lehrerin bin und keinerlei didaktische Deutschunterrichtskenntnisse habe, haben die Familie und ich uns tapfer durchgewurschtelt. 

Die Termine wurden immer länger, die Gespräche mit Hilfe eines Smartphones mit ÜbersetzungAPP ( wieso haben "DIE" eigentlich ein Smartphone ?) immer umfassender .
Und schnell wurde klar,: hier brauchts nicht in erster Linie Deutschuntericht, sondern jemanden der sich medizinisch auskennt und der in der Lage ist, die komplexe Behandlung des jungen Mannes zu organisieren.



Jemand der sich im Gesundheitssystem auskennt und hier am Ort über ein paar Kontakte verfügt. 

Und schon hatte ich die richtige, die wirkliche Aufgabe gefunden. 



Seitdem telefoniere und organisiere ich für die Familie wo es nötig ist. Den Deutschunterricht haben ein Selbstlernbuch samt ÜbungsCD und das Leben übernommen.  

Und ich erlebe bei fast allen Gelegenheiten eine große Hilfsbereitschaft... !!!!

Immer aber bleibt die Frage, ob die Familie nach Spanien zurückmuss.

Ich kann jetzt ein bisschen Arabisch, habe schon einige Dinge über die syrische Kultur gelernt und vor allem, habe ich syrisches Essen kennengelernt.

Von mal zu Mal wird der Kontakt wärmer, netter, angstfreier.... 

Es gibt kleine Meilensteine der Verständigung : der erste, unsichere Telefonanruf des jungen Mannes bei mir zu Hause oder die Mutter der Familie, die das Strickzeug aus meinem Korb nimmt, mich kurz fragend anschaut und dann einfach ein Stückchen weiterstrickt.

 In der letzten Woche hat die Bundesregierung die Abschiebung von syrischen Flüchtlingen in Drittländer nach Dublin-Abkommen ausgesetzt. 

Das heisst : wahrscheinlich kann die Familie bleiben.

 Wahrscheinlich werden sie 3 Jahre Aufenthaltsrecht bekommen und können ein bisschen Zukunft planen.

Es ist noch nicht sicher... aber wahrscheinlich. 


Heute gab es bei uns syrisches Essen. In der letzten Woche war ich im türkischen Laden und habe dafür eingekauft. Der Besitzer hat mir bereitwillig alles erklärt und fragte dann, warum mich das interessiert.
 " Weil ich syrische Freunde habe", habe ich mich sagen gehört und wusste im gleichen Moment, daß das genau richtig ist...

Morgen fahre ich zur Familie und erzähle ihnen vom ausgesetzen Dublin-Abkommen. Mit dem Smartphone. Es wird mir eine Ehre sein.

Ja, ich bin runter : Vom hohen Ross !!!

 wer helfen möchte : hier gibt  es eine tolle Bloggerinitiative.

Jeder kann etwas tun !!!

Donnerstag, 27. August 2015

Vom Nesthocker zum Komposthopser

In vier Wochen sind aus den rührenden Kükenwesen ordentliche Teenagerhühnchen geworden.


 Und wie es bei Teenies so ist, man will nicht immer bei Mutti hocken, sondern mal was erleben, coole Leute treffen und eigene Wege gehen.


Mehrfach haben wir deshalb mutige Junghühnchen aus dem Schutznetz gepflückt ( ein Foto verbietet sich hier aus Pietätsgünden), die dort, wer weiß wie lange, verharren mussten, weil sie sich auf dem Weg in die große Freiheit in einen handlich verschnürten, kleinen Rollbraten für diesen Herrn verwandelt haben.


Und damit aus dem armen, schwarzen Kater, der im Moment unter der Abwesenheit seiner Kuschelpartnerin leidet , nicht ein böser Kükenmörder wird, hat mein Mann am Wochenende versuchsweise den Kindern einen Spielplatz ins Gehege gelegt ( Zweige zum rumklettern).


Leider sind die Kleinen trotzdem abgehauen und haben sich weiter in Gefahr gebracht... die Mutter gefangen im Gehege. Und wie es auch bei den menschlichen Heranwachsenden ist, wenn die Brut nicht mehr zu kontrollieren ist, kann es besser sein, behüteten Freilauf zu gewähren.


Seit gestern also dürfen die Kinderchen mit der Mutter in den Garten und haben sich binnen Stunden zu munteren Komposthopsern entwickelt, die von der Glucke angeleitet, allerlei Leckerbissen aus Erde und Gestrüpp ziehen.( wer Lust hat, sich mal anzusehen, auf welchem Kompost meine " Kinderchen" herumhopsen, guckt mal hier)



Es ist schön, zuzusehen, wie die kleine Familie durch den Garten zieht und schön, zu erleben, wie die Glucke auf ihre " Kleinen " aufpasst und ihnen alles für ein Huhn wichtige beibringt.  Sehr unterschiedlich sind die Hühnchen, richtige kleine Hühnerpersönlichkeiten.


Dieses hier als ist als allerletztes Küken geschlüpft und immer noch etwas hinterher. Es ist wohl ein kleiner Hahn, und ich denke es wird ein sanfter Bursch werden. Ein bisschen struppig sehen die Hühnchen aus, was einerseits am Federwechsel, andererseits an den Genen von Hühnervater Muttchen ( Seidenhahn) liegt.




Der ist durchaus interessiert an seiner Brut.


Dies wird allerdings von der Glucke nicht toleriert, sodass er sich mit zugucken vom Kompost ganz oben begnügen muss. 


Ebenso wie das erste Kind der Zwerghenne, genannt Monsterküken, weil aus einem normal großen Hühnerei geschlüpft.


Es hat sich den Zwerghühnern angeschlossen und ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Henne.   
Und wenn man müde ist, vom vielen Herumturnen, dann schlüpft man doch noch bei Mutti unter die Flügel....



Freitag, 21. August 2015

Abgeblüht, überreif, runtergefallen

Ob nun Spätsommer oder Frühherbst. Thema ist Ernte, Reife und.

 Fallobst.


Dieses hier ist allenfalls noch von künstlerischem Interesse. Aber doch schön als grafische Struktur.


Der Sternchen-Allium lebt vom Kontrast zum Gartentor.


 Die Federleutchen dürfen ausnahmsweise mal in den vorderen Gartenteil, um ein Mirabellenabendbrot zu sich zu nehmen.


Und diese sind mein ganz persönlicher Fund.


Die gibts als Kuchen, Apfelmus oder einfach so. Ungenormte, frisch herabgefallene Augustäpfel.

Eine schöne Zeit, der späte Sommer oder frühe Herbst.  

Euch allen ein schönes Wochenende, denn morgen habe ich frühen Frühdienst und am Sonntag späten Spätdienst. Oder mittleren Mittel, oder späten Früh ?

Mittwoch, 19. August 2015

Im Moment

bringt jeder Tag eine Überraschung. 


Kaum komme ich dazu, irgend etwas in Ruhe auszukosten.

diese alten Koffer bekam ich gestern geschenkt... die erzählen auch eine Geschichte

 Ich bin ja seit ein paar Monaten in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe tätig und
.... da gibt es viel zu tun,
.... viel zu organisieren,
... aber auch viel an Rückmeldung und Erfolgen. Und ich bekomme Geschichten erzählt.
 Geradebrecht, in einer Melange aus Arabisch, Deutsch, Mimik und Gestik, die mir vor allem zeigen:  wir als Menschen wollen alle das Gleiche. In Frieden und Sicherheit unsere Lebenswege gehen. Und ich finde es schön, daß ich den Leuten, die gerade daran gehindert werden, mit meiner Arbeit dabei helfen kann. Einfach von Mensch zu Mensch.

 Zu den besten Erfahrungen in diesem Zusammenhang gehört die große Hilfsbereitschaft vieler Leute, wenn es darum geht, Flüchtlingfamilien zu helfen. Das hätte ich so nicht erwartet.

 So bekommen wir zum Beispiel einen tollen Rollstuhl geschenkt,  den ich heute noch abholen kann....


 Auch, wenn das für mich Neuland ist, ich habe das Gefühl, dort an der richtigen Stelle zu sein. Es passt alles zusammen !

Draußen heute ein schöner Spätsommertag und nach dem Regen der letzten Tage haben die Pflanzen, wilde wie angebaute, nochmal einen Wachsstumssprung gemacht.


 Diese hier mag ich besonders gern. Vielerorts zwar als lästiges Kraut angesehen und bekämpft, füllen sie die Lücken in meinen Staudenbeeten und dürfen gern bleiben.   


Und weils so schön ist... dieses Stück des belgischen Künstlers Bart Peeters ist mir kürzlich im Internet wieder über den Weg gelaufen und darüber habe ich mich sehr gefreut, denn der Mann hat so recht.  


Ist auch ein gutes Rezept gegen schlechte Laune : einmal dieses Stück hören !  Leider spielt die Gruppe nie in unserer Nähe....sonst hätte ich schon Karten. Aber nicht ganz vorne , sonst werde ich noch geküsst.

  Schönen Tag noch.