Gut beraten war ich, zuerst das Brautkleid meiner Tochter zu ändern, was allerdings fast drei Tage gedauert hat, und mich erst anschließend um den letzten Holundersaft zu kümmern.
Den Aufwand, ein Tüllkleid anzupassen, habe ich total unterschätzt .
Drei Lagen rutschender Tüllstoff am Rockteil haben mich an die Grenze meiner Geduld gebracht und mein Werk in die Nähe der "Brautkleidverhunzerei ", dabei kann ich eigentlich nähen. Gottseidank treten solche Gelegenheiten nicht allzuoft auf, dem Brautpaar ist das auch sehr zu wünschen.
Fertig !
Morgen gehts also an, die Tochter heiratet. Die Kamera ist gepackt ( ich bin die Hochzeitsfotografin !) und ich hoffe auf gutes Gelingen und ein paar schöne Momente...
Nun schrieb ich im letzten Post, dieser
Sommer sei voller Abschiede gewesen und versprach, etwas mehr darüber
zu sagen. Soweit ich das kann, will ich es hier tun.
Veränderungen gab und gibt es überall
in meinem Umfeld. Manche betreffen mich unmittelbar, andere haben mir
längere Zeit Sorgen bereitet. Nicht über alles kann ich berichten,
denn es berührt die Persönlichkeitsrechte anderer Menschen, die zu
respektieren und zu schützen es gilt.
Nur über meine Dinge kann ich
schreiben, ungehindert, in eigener Sache.
In der vergangene Woche haben wir
unseren lieben Hund verabschieden müssen.
14 1/4 Jahre ist er alt
geworden und 13 Jahre hat er bei uns gelebt.
Als Tierschutzhund aus Spanien
gekommen, in den ersten Jahren ein wilder, ungestümer Kerl, hat er
mich auf vielen Wegen begleitet. So ungezügelt er sich als Setter
draußen gebärdet hat, im Haus war er ruhig und anhänglich. Nie hat
es ein Problem mit unseren anderen Tieren gegeben, als geborenes
Rudeltier hat er alle anderen Wesen, die bei uns leben, ob Katze oder
Flügeltier, als zugehörig empfunden und respektiert.
Nicht unbedingt für ein städtisches
Umfeld geeignet, in Wald und Feld aber ein lebhafter, fröhlicher Begleiter und
ab seiner Lebensmitte ein begeisterter Schwimmer.
Schon lange gab es gesundheitliche
Baustellen bei dem guten Kerl, aber ich komme ja aus der Medizin, wir
haben alle Möglichkeiten genutzt, sein Leben trotzdem lebenswert zu
gestalten.
Die letzten Monate waren
oft von der Frage begleitet, wann wir die Reißleine ziehen müssen.
In der vorletzten Woche hat Mufti mir dann deutlich gezeigt, daß er
nicht mehr kann und will.
Immer wieder möchte ich unseren guten
Tierarzt loben, der uns schon lange begleitet und ohne lange Umschweife zu uns kam, um dem Leid ein
Ende zu bereiten.
Im Rausgehen sagte er noch, wie wunderbar es wäre, daß sich unsere tierischen Mitgeschöpfe so tief in unsere Herzen eingraben.
Dem habe ich nichts hinzuzufügen !
Danke liebes Mitgeschöpf... für dein Vertrauen, deinen unbedingten Lebenswillen und für die vielen, vielen Kilometer und Stunden der Gesellschaft und Begleitung.
Nun fehlt er mir sehr, auch wenn die
letzten Monate sehr anstrengend waren. Er war ein wirklich freundlicher, netter Kerl
und er hatte hier ein tolles, hundegerechtes Leben.
Hier wird es jetzt auf jeden Fall ein
halbes Jahr Hundepause geben. Ob wir nochmal einen Hund aufnehmen
werden, ist noch nicht entschieden.
Aber drei von Muftis Lieblingsbällchen habe ich aufgehoben. Vielleicht werden sie ein Willkommensgeschenk
für die nächste Hundeseele. Vielleicht.
...auch wunderbar, die junge Catt, demnächst im hannoverschen Pavillon zu sehen
" the wildest beauty is nothing, nothing more than a soft light in the morning, sometimes " Catt
Und das ist gut so. Die
Sommerhitze ist einer angenehmeren Version von Wetter gewichen. Schon
allein deshalb regen sich meine Lebensgeister wieder.
Aber das ist es nicht allein, dieser
Sommer war nicht nur wegen der Hitze und Dürre eine weniger schöne
Zeit. Es gab Verluste, Veränderungen, Abschiede in den letzten
Monaten. Vielleicht berichte ich noch darüber in der Nachschau,
erfahrungsgemäß überholt die Gegenwart jedoch oft die Motive, das
Vergangene noch nachzuschreiben. Wir werden sehen.
Trotzdem oder vielleicht deshalb, war
ich fleißig, habe geräumt und sortiert. Übersicht geschaffen und
Pläne geklärt.
Und Vorräte angelegt.
Eine Hochzeit und die Geburt eines
Enkelkindes stehen uns bevor. Ich merke, daß ich mich darauf
vorbereite, eine neue Rolle in der Familie zu übernehmen. Ein
spannender Prozess. Den kleinen Menschen willkommen zu heißen, die
Tochter als Mutter zu erleben.
Vorerst häkele ich Babydecken und
Mützchen.
Handwerkliches Tun ist über den Sommer
mein Begleiter gewesen.
Dabei habe ich meine alte Liebe für die
Herstellung von geflochtenen Teppichen wiederentdeckt.
Und erst jetzt
fällt mir die Symbolik dieser Teppiche auf, denn sie sind allesamt
aus, zum Teil von in der Familie getragener Kleidung entstanden. Nun
sind sie der Boden auf dem wir stehen.
In diesem Sinne, ich lass mich hier
wieder blicken.
Der Frühsommer hat sich seit fast einer Woche zu Rekordhöhen der Hitze aufgeschwungen. Noch ist es in unserem alten Haus erträglich, aber auch nur wegen konsequenter Verhängung der Fenster etc. , was ich eigentlich überhaupt nicht leiden kann.
Im Garten wär trotzdem viel zu tun, aber bei diesen Temperaturen kann man nur halblang machen.
Am vergangenen Donnerstag war ich 6 Stunden in der brüllheißen Stadt unterwegs, danach stehend kaputt. Überhaupt Stadt. Wohl nicht mehr so ganz mein Ding.
Der Garten hält sich noch wacker, hatte ja auch genug geregnet und meine Bearbeitungsstrategie ist eher schonend, defensiv. Das hält die Feuchtigkeit in Büschen und Wiese. Die Tiere liegen lethargisch herum, zumindest ab dem Nachmittag.
Eine Ausnahme sind meine munteren Kleinhühner, die wacker ihr Leben erkunden, erstaunlich instinktsicher, sehr entspannt und immer zu viert unterwegs. Solche Hühner hatte ich noch nie, so sicher und elegant, autark.
Gestern musste ich die flotte Gruppe aus Nachbars Garten pflücken.
Apropos pflücken. Vor Jahren, ja fast seit einem Jahrzehnt hat sich im Garten ein Kirschbaum angesiedelt. Auch selbstbestimmt. Er trägt dieses Jahr viele, schöne Kirschen. Wir teilen uns die Ernte mit den Staren.
Ein bisschen hitzelädiert gehe ich durch den Tag.
Und ich bin dankbar: Für die Fülle und den Frieden in dem ich lebe.
Dafür, dass die riesengroße Sorge um meinen engsten Gefährten, die mich seit langem bedrückt hat, langsam weicht, weil es ihm wieder gut geht.
Dafür, dass ich bald ein Enkelkind bekommen werde, auf das ich mich freue und für das ich gerne einen Teil der Fürsorge tragen möchte. (Nicht,
dass ihr denkt, ich würde nicht wahrnehmen, was in der Welt los ist.
Das tue ich. Aber ich helfe niemandem, wenn ich mich nicht über mein
kleines Leben freue. Im Gegenteil !)