Und das ist gut so. Die
Sommerhitze ist einer angenehmeren Version von Wetter gewichen. Schon
allein deshalb regen sich meine Lebensgeister wieder.
Aber das ist es nicht allein, dieser
Sommer war nicht nur wegen der Hitze und Dürre eine weniger schöne
Zeit. Es gab Verluste, Veränderungen, Abschiede in den letzten
Monaten. Vielleicht berichte ich noch darüber in der Nachschau,
erfahrungsgemäß überholt die Gegenwart jedoch oft die Motive, das
Vergangene noch nachzuschreiben. Wir werden sehen.
Trotzdem oder vielleicht deshalb, war
ich fleißig, habe geräumt und sortiert. Übersicht geschaffen und
Pläne geklärt.
Und Vorräte angelegt.
Eine Hochzeit und die Geburt eines
Enkelkindes stehen uns bevor. Ich merke, daß ich mich darauf
vorbereite, eine neue Rolle in der Familie zu übernehmen. Ein
spannender Prozess. Den kleinen Menschen willkommen zu heißen, die
Tochter als Mutter zu erleben.
Vorerst häkele ich Babydecken und
Mützchen.
Handwerkliches Tun ist über den Sommer
mein Begleiter gewesen.
Dabei habe ich meine alte Liebe für die
Herstellung von geflochtenen Teppichen wiederentdeckt.
Und erst jetzt
fällt mir die Symbolik dieser Teppiche auf, denn sie sind allesamt
aus, zum Teil von in der Familie getragener Kleidung entstanden. Nun
sind sie der Boden auf dem wir stehen.
In diesem Sinne, ich lass mich hier
wieder blicken.
Der Frühsommer hat sich seit fast einer Woche zu Rekordhöhen der Hitze aufgeschwungen. Noch ist es in unserem alten Haus erträglich, aber auch nur wegen konsequenter Verhängung der Fenster etc. , was ich eigentlich überhaupt nicht leiden kann.
Im Garten wär trotzdem viel zu tun, aber bei diesen Temperaturen kann man nur halblang machen.
Am vergangenen Donnerstag war ich 6 Stunden in der brüllheißen Stadt unterwegs, danach stehend kaputt. Überhaupt Stadt. Wohl nicht mehr so ganz mein Ding.
Der Garten hält sich noch wacker, hatte ja auch genug geregnet und meine Bearbeitungsstrategie ist eher schonend, defensiv. Das hält die Feuchtigkeit in Büschen und Wiese. Die Tiere liegen lethargisch herum, zumindest ab dem Nachmittag.
Eine Ausnahme sind meine munteren Kleinhühner, die wacker ihr Leben erkunden, erstaunlich instinktsicher, sehr entspannt und immer zu viert unterwegs. Solche Hühner hatte ich noch nie, so sicher und elegant, autark.
Gestern musste ich die flotte Gruppe aus Nachbars Garten pflücken.
Apropos pflücken. Vor Jahren, ja fast seit einem Jahrzehnt hat sich im Garten ein Kirschbaum angesiedelt. Auch selbstbestimmt. Er trägt dieses Jahr viele, schöne Kirschen. Wir teilen uns die Ernte mit den Staren.
Ein bisschen hitzelädiert gehe ich durch den Tag.
Und ich bin dankbar: Für die Fülle und den Frieden in dem ich lebe.
Dafür, dass die riesengroße Sorge um meinen engsten Gefährten, die mich seit langem bedrückt hat, langsam weicht, weil es ihm wieder gut geht.
Dafür, dass ich bald ein Enkelkind bekommen werde, auf das ich mich freue und für das ich gerne einen Teil der Fürsorge tragen möchte. (Nicht,
dass ihr denkt, ich würde nicht wahrnehmen, was in der Welt los ist.
Das tue ich. Aber ich helfe niemandem, wenn ich mich nicht über mein
kleines Leben freue. Im Gegenteil !)
Sommer lässt weiter auf sich warten. Darüber zu meckern, hat keinen Sinn, ändert nichts und zu heiß ist auch nichts für mich. Zeit, mal eins meiner jüngsten Werke vorzustellen. Passend zum Wetter.
Nachdem ich einen Sack ältere Alpaca
Rohwolle in meinen ( reichlichen ) Vorräten entdeckt habe, noch
kurz vor Winterschluss etwas davon gesponnen und einen einfachen
Pullunder gestrickt. Nicht so lang, wie meine üblichen, sackartigen Langpullover, erstaunlich bequem und nett anzusehen.
Einfach, aber gut.
Davon werde ich sicher noch einen stricken. Super warm. Alpaca eben.
Euch einen schönen Sonntag noch und einen guten Wochenstart.
In der vergangenen Woche hatte
ich ... Schafstage !
Schurtermin der Blökenden, 5. Juni, passend
zur Schafskälte, deren Beginn auf 4. Juni fiel.
Einmal im Jahr müssen die
Wolligen ihre dicken Winterjacken ausziehen, und mit der Auswahl
des Schurtermins kann ich mir keine Pingeligkeiten leisten, denn es
gibt erstens kaum noch Menschen, die als Schafscherer arbeiten und
zweitens habe diese keine Termine. Schafhaltung ist eben kein Ponyhof.
Wie es der Zufall und die
Berufstätigkeit meiner Lieben so wollte, konnte mir auch niemand
helfen und so wollte die Aktion gut geplant und sorgsam von mir
allein vorbereitet werden. Durchaus eine Herausforderung !
Die vierfache Fußpflege am Montag
zuvor konnte ich noch mit Hilfe des Gatten durchführen. Ich war recht zufrieden mit dem Verlauf, es übt sich ein und war nun auch
nicht mehr das erste Mal. Ob die Schafe das auch so sehen, ist nicht
überliefert, aber mit ein paar Lekkerlis anschließend kann man ja
so einiges regeln.
Da ab Donnerstag Regen angesagt war, (der auch stattgefunden hat), mussten der Schafstall ausgemistet,
dick eingestreut und die vier Schafe anschließend aufgestallt
werden. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Bis auf Manfred, den
schwarzen, etwas scheueren Bock ließen sie sich aber gut überreden.
Auf das Böcklein habe ich eine halbe Stunde eingewirkt, zum Schluss
brachten eine Portion Haferflocken und ein beherzter Griff
auf die imposanten Hörner des lieben Manfreds die entscheidende
Wendung.
Die Felle der Schafe müssen zum Scheren trocken sein
und promt begann es nach der Einstallung ergiebig zu regnen. Gut
gemacht, grad noch so geschafft !
Am Freitag dann die beiden Schafsdamen
und die Böcklein, ( alle natürlich kastriert), nach vorne zwischen
die Häuser bringen, damit der Scherer mit seinen Gerätschaften vom
Bus aus arbeiten kann. Schön der Reihe nach, habe ich die aufgeregten
Wesen die 50 Meter transportiert, zum Teil getragen, zum Teil
geschoben, den weißen Bock, der 30 Kilo wiegt, konnte ich zum Glück
überzeugen, als letzter zu seiner blökenden Familie zu laufen und
sich zu ihnen zu gesellen.
Ja, zu zweit ist dieser Veranstaltungsteil
besser zu schaffen, aber ich war schon sehr stolz, es allein
hinbekommen zu haben. Da ich frühzeitig begonnen hatte, konnten die
aufgeregten Schafe sich noch eine Stunde lang beruhigen,
denn ein gestresstes Schaf zu scheren ist keine reine Freude.
Für
niemandem.
Bei der Schur selbst kam mir mein
Nachbar zu Hilfe, das hat gut geklappt und hat die ganze Sache
wesentlich vereinfacht. Danke dafür.
Nach den ganzen Scherereien sind die Blökis
dann etwas frierend, jedoch unbeschadet, selbstständig auf ihre Wiese
zurückgekehrt.
Offenbar hat auch keines der Schafe ein Trauma erlitten, denn sie waren anschließend gleich wieder bereit, ein Häppchen Kraftfutter aus der Hand zu fressen.
Vorher und nachher : Monika hat fast das schönste Vlies. Das gibt ein tolles Tuch !
Mir blieb noch die Aufgabe, die
geschorene Wolle zu sichern und vor dem aufkommenden Regen erstmal im
Schuppen zu verstauen. Die Wolle von weiteren vier Tieren, die mein
Scherer noch im Wagen hatte, bekam ich geschenkt, Merino, feines
Zeug.
Insgesamt ist das Unterfangen prima gelaufen. Ich bin froh, so einen netten
und routinierten Schafscherer gefunden zu haben. Ich hoffe, daß er,
der Anfang 70 jährige und wirklich ein kerniger Typ, diese Arbeit noch
lange machen kann. Und ich auch.
Bei aller Erleichterung und Zufriedenheit, nach den insgesamt drei Schafstagen hatte ich meine körperliche Leistungsgrenze erreicht. Aber immerhin, ich
bin auch fast 70 Jahre alt !