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Donnerstag, 29. Januar 2026

Zum Beispiel : Strümpfe stricken


Der ursprüngliche Post ist verschwunden, deshalb nochmal und abgekürzt. Seit fast 3 Jahren bin ich in Rente. Bewege mich ausschließlich in privaten Bezügen, ein kurzer Ausflug ins " Ehrenamt" endete mit verschiedenen Einsichten. Und dem Ausstieg aus selbigem. Und überhaupt, der alte "Krankenschwesternethos " ist verschwunden und damit ging gleichzeitig auch das " Helfersyndrom ". An anderer Stelle einmal vielleicht mehr darüber. 

Nun brauchts neue Ziele und Fähigkeiten.

 Die Ausrede : Keine Zeit ! Gilt nicht mehr. Wenn ich etwas nicht kann, sollte ich es tunlichst lernen. Dazu gehört auch eine ehrliche Bestandsaufnahme. 

Strümpfe stricken ?  Konnte ich nicht ! Ja, ich hab schon mal Fußbekleidungsgebilde gestrickt. Aus meiner handgesponnenen Wolle. 

Aber.

 Die waren viel zu dick und passten nicht in normale Schuhe. Die Wolle ist zu weich, deshalb laufen sich die Fersen schnell durch.

 Ja, meine Socken sahen cool und rustikal aus, waren aber wenig brauchbar. 

Da brauchte es Veränderung.  

1. Handgesponnene Wolle ist für Socken nicht geeignet, es sei denn, man möchte sie im Bett anziehen.  

2. Füße sind individuell. Was dem einen passt, ist für den anderen ungeeignet. 

3. Aufwändige Muster sind sekundär. 

4. Im besten Fall sollten die Socken maschinenwaschbar sein.

Ich habe geübt. Geduld gelernt. Sockenwolle der bekannten Firmen hatte ich reichlich in meinem Bestand. Es hat 3 Paar mißlungene Socken gebraucht, bis ich einen passenden, robusten und tauglichen Prototyp zustandegebracht hatte. 

Jetzt habe ich ein Referenz-Exemplar in Größe 40, fertiggestrickt, für passend befunden, dokumentiert.

 Alle weiteren Sockenpaare werden davon abgeleitet.  Ich gehe nun in die Serienproduktion, das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt.  Damit trete ich innerfamiliär die Nachfolge meiner Mutter an, einer Meisterin der Sockenfertigung. 

Socken, die passten und hielten, viele Maschinenwäschen überstanden, die nun aber nach langen Jahren des Tragens aufgebraucht sind. 

Die Weihnachtsbeleuchtung und Beschmückung ist abgebastelt und verräumt. Die diesjährigen Sterne habe mir besonders gut gefallen, fast hätte ich sie noch länger hängenlassen.  

Mit einem grauen " Betonwinter"  nähern wir uns dem Februar. Ich bin froh über die Möglichkeit zum Rückzug, zur Pause. Trotz der niederschmetternden Weltnachrichten einigermaßenn auf Reihe zu bleiben.  

Auch und fortwährend mit Musik.  

Socken für die Seele ! 

 


 

 

 

Donnerstag, 5. Oktober 2023

Danke, altes Haus


Nun sind es schon 6 Monate, daß ich meinen Spind im Krankenhaus geräumt, einen Abschiedsgruß auf dem Tisch des Aufenthaltsraumes hinterlassen und nach dem letzten Nachtdienst nach Hause gefahren bin. Echte Rente jetzt !

 So unwirklich der Abschied, anfangs wollte ich einfach weitermachen, als Extrawache einspringen, gar nicht aufhören...


Ja, ich hatte auch eine echte Trauerreaktion, mit Heulen und betrübt sein, aber das ist nun ausgestanden...und im Moment besinne ich mich darauf, wie ich eigentlich war, bevor ich in der Pflege als Schwester herumgetobt bin.

 Und das ist schon ein bisschen spannend. Ich grabe sozusagen in meiner Berufs- und sonstigen Biografie nach Anteilen, die mich auch, außer dem helfenden Aspekt, ausmachen.


Denn eigentlich hatte ich nur so für ein oder zwei Jahre in meinem kleinen Krankenhaus am Rande der Stadt arbeiten wollen. Zeitweise habe ich dort auch pausiert, zum fruchtlosen Studium, war ein paar Jahre Hausfrau, als meine Kinder klein waren, bin in Lücken gesprungen, aber insgesamt sind dann 46 Jahre daraus geworden.


Während der letzten über 20 Jahre habe ich in einem so netten Team gearbeitet und es verbindet mich mit einigen Kolleginnen nicht nur die Arbeit, sondern auch das Private. Überdies habe ich vor über 30 Jahren meinem Mann in eben diesem Krankenhaus kennengelernt und unsere Tochter arbeitet immer noch in den heiligen Hallen.

Ich war und bin mit dem Haus auf vielen Ebenen verbunden. Es war ein großes Stück Zuhause, eine verlässliche Konstante in meinem teilweise chaotischen Leben.

 Die Erlebnisse, die mit meiner Arbeit dort verbunden sind, schriebe ich sie auf, würden Bücher füllen.

 Geschichten, die eng und intensiv mit dem Wesentlichen der menschlichen Existenz, mit Leben und Tod verbunden sind, ein unglaublich großer Schatz an Lebenserfahrungen.

 Dafür bin ich sehr dankbar. Dafür, schon seit meinen jungen Jahren Abgründe, Lebensende, Trauer, Hilflosigkeit gesehen zu haben. Lange vor meiner Zeit durfte ich Menschen in ihrer größten Not begleiten und habe dabei den Wert und das Glück des Lebens erkannt. Sind große Worte, aber so habe ich das erlebt

 Ja, es war auch eine schwere Arbeit, aber ich hätte sie wohl kaum so lange gemacht, wenn ich nicht daraus viel, viel Sinn und Zufriedenheit hätte gewinnen können.

Leider hat sich unsere Stationsgruppe im letzten halben Jahr fast gänzlich aufgelöst, es gibt jede Menge Umstrukturierungen, auf lange Sicht soll der gesamte Standort aus der jetzigen Nutzung verschwinden. Tja. 


Das macht mir den Abschied zwar leichter, ist aber ein großer Verlust für die Patienten, denn wir waren als Team wirklich, wirklich gut.

 Und es erlaubt mir, die Zeit in diesem Krankenhaus gnadenlos zu idealisieren.

Hier zu Hause grabe ich in den, über die Jahre aufgehäuften Materialien. Und die gibt es hier reichlich.

Vor ein paar Tagen entdeckte ich drei !!! Bananenkartons voller gesammelter Cordhosen, aus denen ich vor etlichen Jahren mal eine Tagesdecke zum 50. Geburtstag eines Freundes nähen wollte. Der Mann ist mittlerweile über 70, ne Tagesdecke hat er nie bekommen.... Aber mir fällt schon noch was Anderes für die Cordhosen ein, erstmal habe ich sie gewaschen und malerisch auf die Leine gehängt. 

Und was werde ich nun aus der kommenden Zeit machen ?

Ich bin ja schon längst dabei, neue Dinge auszuprobieren. Das Nähen möchte ich  richtig lernen, noch mehr aus dem Garten machen. Nochmal das Färben von Wolle mit Pflanzenfarben angehen.Es ist von allem genug da.

Liebste Menschen, liebste Tiere, viel Platz, Zeit, Ideen, Motivation.

Wir werden sehen. Es bleibt spannend.

Zum Schluss noch ein wiedergefundenes Stück Musik aus der Zeit der absichtslosen Anfänge :

Manfred Maurenbrecher, von dem ich einige Songs mal sehr mochte...


Freitag, 27. Mai 2022

Prioritäten


 Zwei Monate Verzug in der Ausführung der geplanten Gartenarbeiten und das jetzt, mitten in der Saison. Das aufzuholen, ist nicht leicht. Deshalb: Muskelkater von oben bis unten.
Guck ! Salat !
 Abends kaputt wie ein alter Knochen ( was ich ja auch bin), aber nach der Entscheidung, noch rauzuholen, was geht, ( im Oktober brauch ich nichts mehr pflanzen), zufrieden damit, daß manches so wird, wie erwünscht.

Ein Glücksgriff : Schmette und Gaake oder auch : die Orpis !

 Thats ist. 

Platz für den Morgenkaffee mit Gemüsepflanzen und Fundsache Gartenstuhl

Das zweite " Rentenjahr " ist in diesem Mai angebrochen und Ideen, was ich daraus machen könnte, konkretisieren sich. Endlich eigenes Gemüse anbauen ist einer davon. Mehr selber nähen ( eher für den Winter, ha ). Insgesamt treibt mich die Frage, was ich eigentlich schaffen kann und will. 

Bei meinen kurzen Gastspielen im Krankenhaus als Pflegekraft, dann die andere Seite. Menschen meines oder sogar eines jüngeren Jahrganges, die nichts mehr planen, sondern froh sind, wenn sie noch den Weg zur Toilette selbst schaffen. 

Nicht gerade ermutigend und sicher auch nicht repräsentativ, aber eben mein Einblick. 

Da war ich wirklich fasziniert und beruhigt, dieses Video gefunden zu haben und wenn ich mal wieder einen Motivationsschub brauche, suche ich mir eines der vielen Videos aus dem Kanal heraus. 

Bisschen Englischkenntnisse sind von Vorteil. 


.... und vielen Dank noch für die netten Rückmeldungen auf meinen letzten Post.

Freitag, 15. Oktober 2021

Daytime


Nachdem die 3 Nachtdienste vom Wochenende mal wieder ein Lehrstück darüber darstellten, wie wir werden, was wir sind und daß ein unzerstörbarer Kern der Menschen bis zum Ende erhalten bleibt, bin ich nun wieder zu Hause und habe, da mich in der letzten Nacht ein grippaler Infekt angeflogen hat, alle Termine für diese Woche abgesagt. 

Das war möglich und ich bin zufrieden, daß es geht. Wenn wir aus dieser Corona-Sache irgendwas gelernt haben, dann ist es die Erkenntnis, daß es nicht ehrenrührig ist, mit einem Infekt zu Hause zu bleiben, statt mit Taschentüchern, Kopfschmerztabletten und Nasentropfen bewaffnet, den Rest der Umgebung auch noch zu infizieren. Mit was auch immer.

Darüber hinaus muss ich allerdings sagen, das mir die unübersehbaren , sozialen und psychologischen Folgen der Corona-Regeln, ( die ich hier nicht diskutieren möchte ), zunehmend aufs Gemüt drücken und da bin ich nicht die Einzige.

Mit der, selbst verordneten Ruhe kümmere ich mich in dieser Woche um Haus und Tier, und bin, in der Tat dabei, alle meine Strickufos entweder fertigzustellen oder anderweitig darüber zu entscheiden. Eine irgendwie ebenso heilsame Entscheidung, einige Teile sind schon fertig geworden, darüber gibt es einen Extra-Post. Denn der Winter ist im anrollen und da sind wärmende Wollteile immer nützlich.

Glücklich bin ich mit unserem neuen Ofen. Wir hatten ja das wasserführende Koch-Heizmonster wieder entfernt, weil es für die zu beheizende Fläche einfach zu klein war und stattdessen einen einfachen, aber effektiven, dänischen Ofen installiert. Was soll ich sagen. Ein Unterschied wie... Tag und Nacht, um im Bild zu bleiben. Ich bin ja bekennender Ofenjunkie, ein Zimmer ohne Ofen ist irgendwie kein Zimmer für mich und der Zugewinn an Wohnlichkeit ist für mich enorm.

Dem Manne wäre das nicht so wichtig gewesen, er hat aber mir zuliebe den neuen Ofen gekauft und installiert, was eine ziemliche Schlepperei war und wofür ich ihm äußerst dankbar bin.

Vorgestern hatten wir unseren 31. Hochzeitstag, und wenn der auch ein wenig im Alltag untergegangen ist, ich bereue nichts. Als Geschenk bekam ich eine Miniausgabe des neuen Ofens, der erstmal niedlich aussieht und außerdem den winterlichen Tee bewärmen kann. Nett !


Mit dem Hund waren wir trotzdem in Wald und Feld, muss ja sein, dem ist immer total langweilig, wenn einer von uns krank ist und so bietet wenigstens das Wetter etwas Dramatik.

 Apropos Dramatik....




Samstag, 9. Oktober 2021

Verlässlich

 

 Allenthalben zu hören oder zu lesen. Das Gemüsejahr im Garten, der Totalausfall. Ganz so schlimm wars dann doch nicht, wobei die Ursachen, bei mir im Garten jedenfalls , nur zum Teil im nassen, heißen Regenjahr zu suchen waren. 

Teilweise muss ich die mangelnden Ernteerfolge einfach auf meine Kappe nehmen. Wie immer : zu wenig Erfahrung, zu wenig Konstanz ( nein, nicht die Stadt).

 Die so liebevoll gehegten Tomaten ( und die waren wirklich prachtvoll und neiderregend) , hat schon Mitte August die Braunfäule dahingerafft. Die unheilbare Tonatenkrankheit, von der mein Gartenvorbild, ein über 80 jähriger mit Selbstversorgergarten sagte, sie würde im Englischen " sudden death " heißen, was ich, zumindest für meine Tomaten sehr treffend finde.

Einzig positiv am plötzlichen Tomatentod : Unsere Hauswächterin hatte während unserer Urlaubes nicht so viel zu gießen. Man kann sich auch alles schönreden !

Überraschend aber und erfreulich, eine blaue Winde hat alles überlebt und blüht nun die Hauswand hoch, was das Zeug hält. Seit jeher habe ich eine Vorliebe für trichterförmige Blüten, es sah in diesem Jahr allerdings so aus, als hätte sich die weiße, "gemeine“ Ackerwinde durchgesetzt, deshalb erfreut mich der Anblick der fleißig , blühenden Blauen umso mehr. 

In diesem Jahr des beginnenden Berufsausstieges, und das ist einfach eine gravierende Veränderung, auch wenn ich so langsam in die Rente hineinschliddere, freue ich mich über alles , was bleibt.

Geblieben auch. Ab heute 3 Nachtdienste. Mal gespannt, wie sich das anlässt, mit den großen Pausen dazwischen. Immerhin : Corona-Patienten betreuen wir nicht mehr, erstens gibts nicht so viele ( ja, auch wenn es anders lautet in Bild und Funk ) . Und zweitens sind jetzt mal andere dran. 

Wer etwas Hoffnungssvolles, Erheiterndes, aber auch Nachdenkliches in filmischer Form braucht. Dem sei diese Kurzserie empfohlen. Ich habe sie nur so weggeschlürft !  Nur noch bis zum 30.10 in der ARD Mediathek online, also hopp ! 

 https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filme-im-ersten/sendung/einfach-liebe-onlinedates-und-neuanfaenge-folge-1-100.html

Sonntag, 6. Juni 2021

Gewitterdienst


Zweiter Dienst und schwupp : Schon wieder vorbei.  Wir haben wenig zu tun und so kann ich ein paar Überstunden abbummeln. Demnächst werden wieder "normale" Zeiten bei uns anbrechen und da bauen sich die Stunden ganz schnell wieder auf. Und ich bin froh, noch dabei zu sein. So geht beides : Entlastung, neue Projekte und die weitere Zugehörigkeit zu meinem Arbeitsteam.

Also heute unerwartet frei, ein wunderbar mild, feuchtes Wetter wartet auf mich und so werde ich, wenn es nicht in Strömen regnet, im Garten weitermachen. Die Regen- und Gewitterluft kann ich gut leiden und der Boden kann den feuchten Segen von oben gut gebrauchen.



Samstag, 8. Mai 2021

Guckst du hier, Pullunder


Gestern fertig geworden. Ärmelloser Kerl. In robusten Farben mit schmeichlerischem Halsausschnitt aus Restchen Alpaca.

 Gedacht, extra für die Gartenarbeit, damit mir der Frühlingswind nicht auf den Rücken zieht. 

Geschlossen, damit mir das Vorderteil nicht in den Kompost hängt. 

 Und in gedeckten Farben, damit man nicht jedes Erdklümpchen darauf sieht. 

Habe ich lange dran gestrickt. Die Strickteile ziehen sich wegen der Rippenstruktur zusammen und die Nadeln waren recht fein ( für meinen Geschmack).

Aber nun glaube ich, es wird ein Lieblingsteil werden. Die Idee kam mir, weil der Nachbar seit Jahren so ein Teil schleppt, das seine Mutter noch gestrickt hat und das ich ungemein praktisch fand, wenn auch altmodisch.

Wegen einer Unpässlichkeit Nachtdienst erst heute, aber immerhin.

 Bin froh darüber.

 Hadere mit dem Rentenstatus !

Mittwoch, 28. April 2021

5 Tage Stolz


 So langsam dämmert es mir. Rente tatsächlich. Überwiegend treibt mich freudige Erwartung um, aber auch, komischerweise, so etwas wie Erschöpfung. Ob das nun am Rentenbeginn liegt, weiß ich nicht, kann auch Corona-Müdigkeit sein, oder Frühjahrsmüdigkeit. 

Gestern bekam ich die Rückmeldung eines Bekannten auf den Tipp, eine Sprechstunde in meinem, kleinen Krankenhaus am Rande der Stadt aufzusuchen. Er war begeistert, ja auch von der Behandlung, aber in erster Linie von dem unkomplizierten Tonfall und den flachen Hierarchien in unserer Anstalt. Und an dieser Stelle überfiel mich ein großer Stolz, Teil dieses Hauses zu sein. 

 dieses Foto braucht eine Erklärung. Es ist der Zugschalter einer automatischen Tür, zehntausende Male ist er an der Wand entlanggeschrammt und hat damit tiefe Zeitspuren hinterlassen. 46 Jahre...

Während der vielen Berufsjahre war ich kurzfristig in einem anderen Krankenhaus tätig. Das ist lange her. Dort gab es ein Ärztekasino, und dort durften nur die ÄrztInnen zu Mittag essen.( die Pflegekräfte hatten eine gekachelte Essecke im Keller). Als mich ein junger Assistent mal mitgenommen hatte, um in der heiligen Arzthalle zu speisen, fragte meine ältere Kollegin, was mir wohl einfiele. 

Das stünde mir nicht an, dort wären nur die höheren Stände. Es gab dort getrennte Handtücher für die Ärzte und die Schwestern ( die Ärzte hatten flauschigere), und ich habe das Etablissement nach einem halben Jahr verlassen und bin zurückgegangen in meine Kumpelbude. 

Hier wird sich fast durchweg gedutzt, die ÄrztInnen kochen ihren Kaffee selber, oder sie kriegen eben keinen und wer versucht, andere Sitten einzuführen, der läuft ganz schnell auf, mit seinem Herrschaftsgetue.

 Ein illusteres Völkchen hatte sich schon immer hier versammelt, individuelle, teils skurile Persönlichkeiten unter dem Pflege-und ärztlichen Personal sorgten für kreative und sehr menschliche Umgehensweise mit den Patienten. Unser Einzugsgebiet sind teilweise ärmere Stadtteile, die Patienten die wir versorgen, sind oft einfache Leute. Und wir haben das gut gemacht. Bis heute !

Und wenn dann Dr. M. in kurzen Jeansshorts und mit Rollerblades übers Gelände, ( das weitläufige), von der chirurgischen Ambulanz zu den Stationen sauste, das blonde,  lange Haar flatternd im Nachtwind. Da konnte dann Dr. McDreamy von Greys Anatomy einpacken. Schee wars. 

Auf dem Acker heute Salat ausgepflanzt und mich über das explodierende Grün gefreut. Schee ists ! 


Dienstag, 27. April 2021

6 Tage bis Rente


 ...die letzte, reguläre Nacht war : völlig unspektakulär. Ich bin lange auf diesen Ausstieg vorbereitet. Es war nicht viel zu tun, sogar ein wenig langweilig. So brauchte ich nach dem Nachtdienst nicht so wirklich lange schlafen und konnte mit Herrn Mufti zum Tierarzt fahren. Der hatte nämlich heute morgen eine Riesenschwellung am Auge ( der Hund, nicht der Tierarzt ) und sah damit ein wenig so aus wie der selige Karl Dall. Auch eine eingehende Inspektion, ( der Schisshase musste mit drei Leuten auf dem Untersuchungstisch festgehalten werden) erbrachte nichts wirklich Fassbares, sodaß wir auf hofffnungsvolles Abwarten gesetzt haben. Und siehe da, am Abend sah der Hund schon wieder fast normal aus. 

Gut, nun habe ich also mehr Zeit für solchen Kokolores, mal sehen, wie mich darauf einstelle. Der Rentenbescheid ist übrigens noch nicht da... aber egal, das hat ja Zeit. Ganz ehrlich, die Rentenkasse hat sich bisher nicht mit Ruhm bekleckert, was die Formalien angeht. Und das, obwohl ich akribisch darauf geachtet habe, die gegebenen Fristen genau einzuhalten. 

Für heute mache ich Feierabend. Immerhin waren es drei Nachtwachen. Morgen hole ich einen Sonnenschirm für die Datsche ab. Geschenkt oder getauscht gegen Marmelade. Alternative Waren-Wirtschaftskreisläufe. Find ich gut.

Donnerstag, 15. April 2021

18 Ausflug in die große Stadt

 Randvoll war dieser Tag. Dienstlich und ehrenamtlich bin ich unterwegs gewesen. Gut geplant, lange anberaumt und sehr produktiv. Da ich zwischen den Terminen immer mal ein wenig Zeit hatte, konnte ich ein paar angenehme ( ja !) freie Minuten in der großen Stadt verbringen. Wie sehr fehlt mir auch dieses Draußen.

Schon gefühlt ewig war ich nicht mehr in der Stadt, die jetzt wegen der Corona-Situation recht ausgesucht leer wirkt. Ein günstiges Nähbuch habe ich erstanden, will mich mal an Pullover wagen...und war erstaunt, daß die Buchläden geöffnet haben.

Da stecke ich wohl doch schon sehr in meiner zur Arbeit/ nach Hause/ bisschen Privates-Blase. 

Am Abend bin ich dann redlich kaputt, aber zufrieden und freue mich auf einen kommenden, freien Tag. Alles ist geregelt und der Frühling schaut doch immer mal wieder um die Ecke.

Bei Euch auch ?

Dienstag, 9. März 2021

55 Spätdienst

Altes Schild an einem Wirtschaftsgebäude des Krankenhauses

 Im Hellen kommen. Ein moderater Spätdienst. Von Verschärfung der Corona-Situation nichts zu bemerken. Im Gegenteil, wir ( WIR ? ) werden uns schwertun, sollten mal wieder " normale " Zeiten anbrechen, in denen wir allein für 20 Patienten zuständig sein müssen.


Das ist kaum zu schaffen, will man die Menschen halbwegs wahrnehmen.  Am heutigen Tag 3 Patienten für mich, da ist Zeit mit Dementen in freundlichem Singsang zu kommunizieren oder das spät gereichte Mittag nochmal zu erwärmen.
mhh ! passierter Rotkohl

Und wenn der Fencheltee nicht schmeckt... gibts eben Apfel. Je weniger Dienste auf diesem Soll-Berufsweg bleiben, desto positiver kommt mir alles vor.

Spindschlüssel mit Nervenzelle aus Plüsch ( Geschenk der Tochter )

 Im Dunklen gehen. 


Zu Hause noch spinnen.

Montag, 1. März 2021

62 Oma


 Frühdienst . Corona-Aufnahmestation.  Oma wird 90 Jahre alt. Keiner darf zu Besuch kommen und es hat auch niemand angerufen. Das ist auch schwierig, denn die alte Frau hat kein Telefon und unseres dürfen wir nicht ins Zimmer mitnehmen. Die alte Frau sitzt auf dem Bett und weint. 

Dann kommen Tochter und Enkelin. Sie geben an der Stationstür eine Tüte mit Geschenken ab, Luftballons sind daran gebunden. Sie besorgen eine Telefonkarte und die alte Frau weint. 

Ich öffne das Fenster, draußen stehen 5 Meter entfernt die Gratulantinnen. Alle haben FFP2 Masken auf. Ich wickele die Frau in eine Decke, wir schauen aus dem Fenster und wir winken. Wir weinen alle. 

Schließlich ist die Oma Corona negativ. Es war richtig. Ein guter Dienst !

Samstag, 30. Januar 2021

90 und 1 Tag

 Hopp, Nachtdienst !

 Im Dunklen hin, im Dunklen zurück. Am Nachmittag aber früh auf, denn es ist nicht sooo viel zu tun. Was wohl eher mit der Belegungspolitik des Hauses zu tun hat als mit der Menge an realen Infektionen. 

Insgesamt ist die Belastung also moderat, allerdings wächst die Unzufriedenheit der KollegInnen mit der notwendigen sozialen Distanz von Dienst zu Dienst. Besonders die allein lebenden Menschen, und zwar alt wie jung, klagen über Verstimmungen, Müdigkeit, allgemeine Motivationslosigkeit.

Da kann man auch nicht immer mit positiver Psychologie kontern, denn das erreicht jemanden nicht, der tief im Januar/Februar/Corona-Loch sitzt.

Also : durchhalten, Ferdl !  nach der Maßbandmethode....

und schön: Nach einigen Querelen mit unserem Bezirksoberkehrmeisterschornsteinwart können wir morgen einen tollen Ofen erwerben, der unseren Wohnraum bitte in den kommenden Wintern besser erwärmen wird, als der vorhandene Eisengesell. Der war nämlich ein Fehlkauf, weil einfach nicht groß genug für unser Haus, aber hinterher ist man immer schlauer.  

Ich bin ein ausgesprochener Ofen- und Feuermensch. Ein Zimmer ist für mich kein Zimmer, wenn kein Ofen darin steht. Von klein auf an direkte Ofenwärme gewöhnt, freue ich mich nun auf den neuen (gebrauchten) dänischen Gussofen. Dänisch ! Zeig ich dann !

So... nun noch ein wenig Spinnen oder Stricken, dann gehts in die nächste Nacht. Und es ist nicht gesagt, daß die so locker wird, wie die vergangene.

 

Element of crime  -  Musik wie ein Januar...! In der Corona-Zeit.


Dienstag, 26. Januar 2021

Tag 96


 Nun ist er raus, der Rentenantrag. Bin bei der Rentenberaterin der Gewerkschaft gewesen. Wir haben alles nochmal durchgesehen, ein paar vergilbte Blätter von 1976 kopiert und ab dafür.

Anschließend erzählte mir die nette Dame, in der letzten Woche wäre jemand bei ihr gewesen, der hätte seinen Rentenantrag nach zwei Tagen wieder zurückgezogen. Das werd ich, glaub ich, nicht machen. 

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch irgendwo nett mit dem Hund spazierengehen. Bin dann aber nach Hause gefahren. Der Rentenantrag war mir für heute genug unbekanntes Terrain.


Donnerstag, 21. Januar 2021

100 Tage


 bis zur Rente.

 Ja, das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Das letzte Berufsjahr. Das wollte ich mir auf der Zunge zergehen lassen, mich von lange Eingebahntem verabschieden. Vielleicht auf dem Gelände meines kleinen Krankenhauses fotografieren und das eine oder andere nette Gespräch führen. 

Stattdessen kamen neue Herausforderungen statt Gewohntem. Wir bekamen Corona und arbeiten seitdem in Vollverkleidung und auf Distanz, Zueinander und zu den Patienten. Da ist meine 1jährige Abschiedsvorstellung fast vollständig ausgefallen.

Nun ist der Termin für die Rente gesetzt und als ich vor ein paar Tagen mit einer Freundin telefonierte, die besonders unter der Coronasituation leidet und ich sagte, sie müsse einfach noch 100 Tage aushalten, sie solle sich ein Maßband kaufen und jeden Tag einen Zentimeter abschneiden...

da fiel mir auf, noch hundert Tage auch bis zur Rente und schwupp : Da hatte ich mein Abschiedsritual. 

Und das versuch ich jetzt.

 Die hundert Tage bis zur Rente besonders sein zu lassen oder ganz gewöhnlich.

Und das war Tag 100. 

Früh kommt ein Kundendienst, um unseren Heizkessel zu warten, den der Schorni nicht abgenommen hat. Wenn man bedenkt, daß so ein Teil locker 8000 Ecken kostet und die Hauptheizung des Hauses darstellt, keine Kleinigkeit. 

Überhaupt, das Jahr will noch eingeschüsselt werden.

Eine gewaltige Sturmböe reisst die Schafstalltür auf, die Schafe stehen orientierungslos im Garten herum. Wenn die wüssten. Ein paar Meter weiter steht der lecker Mangold im Beet...., ich scheuche die Blökis wieder in den Stall und alles ist gut. Die Sturmböe bringt auch ein wahnsinniges gelbes Licht und einen kompletten Regenbogen. 

Zwei Stunden später hat der Monteur den Kessel gerettet und es erreicht mich die Nachricht, daß unser Auto offenbar ohne großes Generve durch den TÜV gekommen ist.

 Nett !!!

Der Rest des Tages geht ebenso glatt, bis auf den Umstand, daß ich doch ein paar kleine Nebenwirkungen nach der Corona-Impfung ausbilde.

Ein Päckchen wird gepackt, ein Essen gekocht und etwas Kürbissuppe eingeweckt. Für die nächsten Nachtdienste.

Wir sind erleichtert. Am Abend wird gestrickt, gesponnen, gechrieben und gekuckt. 

Und morgen Tag 99. 

Und ein Maßband suchen !