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Sonntag, 5. September 2021

Rio Reiser

Verspätet, anlässlich des 25. Todestages

Als wir uns kennenlernten, war ich kaum mehr als ein verzweifeltes Kind, hineingestopft in einen Berufsweg, der nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun hatte, was mich ausmacht, was ich erträumte und wünschte.

 Na klar, die Texte  zusammen mit der Musik schlugen ein wie eine Bombe, ich ging mit Rio zu Bett ich stand mit Rio auf. Pausenlos gedudelt auf dem kleinen Dual-Plattenspieler, der neben meinem Bett stand, auf dem kurz zuvor noch ein Zug nach nirgendwo gefahren war.

 Ja, es gab auch die passenden Menschen zu dieser Musik, die mehr war als Musik, eher ein Grundton, ein Tages, Nachts, Nachmittagsbegleiter. Wir schlossen uns zusammen und besetzten die Dorfdisco und tanzen nach dieser, unserer Musik. Wir wollten einen Platz für uns, wollten lieben, wen wir wollten, uns nicht einer konservativen Ordnung unterwerfen, die uns zwar arbeiten, aber nicht frei leben ließ.

Ich war einem besonders scharfen Lehrherrn ausgeliefert. Nicht nur Arzt, sondern auch Rechtsanwalt, forderte dieser Einfluß bis ins Private, schrieb vor, wohin ich in meiner Freizeit zu gehen hatte und welche Kleidung angemessen sei . Geschützt hat mich niemand.

  Leider hatten wir unterschätzt, dass der Kampf für unsere Ideale eine harte Gegenreaktion provozieren musste und leider, leider, die Reichweite der Lehrherren länger war als unsere Möglichkeiten.

Arme Kinder, es gab jede Menge Repressalien , denen ich nur mit Verstellung und List entgehen konnte.

 Knapp bin ich vorbeigeschlittert, an der Einweisung in eines der berüchtigten Mädchenerziehungsheime, indem ich die Verlobung mit einem Sproß reicher Eltern vorgab.

Wir haben uns dann immer wieder getroffen, der Rio und ich. Der Rückzug ins Private, der tägliche Kleinkram und immer wieder der Traum, nicht allein zu bleiben. Rio hat ihn begleitet („ ich fang den blauen Murg für dich") .

Als Rio Reiser, der irgendwie haltlos Liebende starb, war mein jüngstes Kind gerade geboren. Ich war gedämpft und ins Mutterglück gehüllt, und nahm dies nur am Rande war.

 25 Jahre und ein bisschen, ist das her, ein trauriges Jubiläum, die Musik von Rio Reiser und den Scherben höre ich bis heute und ... je nach Situation, bin ich dann wieder in dem Damals-Film, dem Gefühl und auch der Kraft dieser Musik.

Grund genug für eine Danksagung an eine lebenslange Liebe !

Dienstag, 13. Juli 2021

Tomatensommer

 Leicht haben sie es nicht gehabt, meine vorgezogenenen Pflanzen in diesem Jahr. Manche haben sich vorzeitig verabschiedet, so die Gurken, die ich viel zu früh im Haus gesät habe und die dann, schwächlich und hochgeschossen,  das kalte Frühjahr nicht überstanden haben. Sicher ein Erfahrungswert, den ich im kommenden Jahr berücksichtigen werde. 

Prächtig gediehen sind die Zucchini, die Erbsen, der Mangold aber auch die Tomaten haben sich besonnen und wachsen nach spätem Start fröhlich vor sich hin. Das erste Mal habe ich die überzähligen Triebe ausgegeizt, was sich positiv bemerkbar macht. Nicht mehr lange und die ersten Tomaten werden reif sein. 

Ergattert habe ich heute 20 ! Bananenkartons, denn ich bin : am sortieren. Und ja, ich mache ernst. Ich trenne die Spreu vom Weizen und möchte im Winter ein ordentliches und übersichtlichen Textilarbeitzimmer haben. Vieles wird verschenkt, Einiges verkauft und Manches landet in der Tonne. 

In dieser Woche kommt noch mein ältester Sohn vorbei und schaut eingelagerte Dinge aus seiner Jugendzeit durch, ( der junge Mann wird in diesem Winter 39 ! )das wird bestimmt lustig und reduziert das Eingelagerte weiter.

finden wir bestimmt auch noch in den Kisten :


 

Mittwoch, 7. Juli 2021

Sag nich Messie !


 Die Zeiten, zu denen ich an jedem Sperrmüllhaufen angehalten habe, sind lange vorbei. Erstens brauche ich nichts und zweitens ; die Qualität der neuzeitlichen Sperrmüllhaufen lässt doch sehr zu wünschen übrig. Wer braucht schon aufgequollene Plattenmöbel oder fleckige Matratzen.

Letzte Woche habe ich eine Ausnahme gemacht. Allerlei Garten- und Campingkrams stand fürs Zermalmen bereit. Das meiste unbrauchbar, vergilbt, zerschlissen. Einzig ein Sonnenschirm und zwei Luftmatratzen aus den 60/70er Jahren schienen noch erhalten. Also mitgenommen.

Zu Hause entpuppte sich der riesige Schirm als wahres Juwel, zwar mit Lebensspuren, aber völlig intakt, und das bisschen Muffgeruch bekomme ich auch noch raus. 

Der blumige Bursche passt wunderbar in meinen Garten...

 Alte Camping und Gartenmöbel mag ich nämlich besonders gern. Ich bin in den 60er Jahren in einer kleinen Mansardenwohnung aufgewachsen, in Urlaub gefahren sind wir nie, bekamen nur manchmal Verwandtenbesuch und abgesehen davon, daß ein lustiger, junger Onkel zum Besuch gehörte, waren die Zimmerchen dann noch beengter und meine Mutter noch gestresster. 

Wir verbrachten die Sommertage im Freibad, wo der junge Onkel mit uns herumtobte, das Highlight des Sommers, aber ich stellte es mir sehr schön und abenteuerlich vor, einmal einen Campinurlaub zu machen.

Daran war jedoch nicht mal zu denken, weder Vater noch Mutter hatten einen Führerschein, geschweige denn ein Auto und wer weiß, was mir erspart geblieben ist.

 Vater trank, die Mutter trug Haus-und Familienarbeit größtenteil allein auf ihren Schultern, hätte außerdem ständig aufpassen müssen, daß Vater nicht an der nächsten Bierbude versumpfte. 

Das ganze Szenario dann auf einem Campingplatz, in der Enge und Hellhörigkeit eines Familienzeltes. 

Wie gern hätte ich damals eine Familie gehabt, in der ein gemeinsamer Urlaub möglich gewesen wäre. Aber die Realität sah anders aus. 

 Dann doch lieber Schwimmbad. 

Geblieben ist das Faible für diese alten Campingsachen, vor Jahren habe ich sogar ein Hauszelt aus den 70ern gekauft. 

Viellleicht sollte ich das einfach mal im Garten aufbauen, Luftmatratzen aufblasen und den Kindheitstraum nachholen.  

Schließlich haben wir Sommer.

Mittwoch, 12. Mai 2021

Inkonsequent

 kann man wohl sagen !

 Trotz Rente weiterarbeiten und heute geschenkte Wolle abgeholt.

 Soo schöne Wolle, ganz in der Nähe. 

es sind 4 Vliese von Leineschafen, frisch geschoren und sooo weich !

Na gut, daß ich nicht auch wieder anfange zu Rauchen.

Auf dem Rückweg im Radio gehört : Eric Burdon ist heute 80 geworden. Die Musik von  Eric Burdon war, neben Ton Steine Scherben, so ziemlich die einzige Mucke, die in meinen wilden Jugendzentrumszeiten geduldet wurde. Von Allen. Deshalb besonders erinnerungsbefrachtet.


hier eine softe Version einer unserer Hymnen. Mit Zigarette !

Morgen werde ich mich wohl eher zahm verhalten. Bekomme eine kleine Zahn-OP....!

Dienstag, 11. Mai 2021

Zum Muttertag bekam ich

 nichts. So wie in jedem Jahr, seit meine Kinder erwachsen sind. Natürlich hbe ich die kleinen Geschenkchen, die in Kindergarten und Grundschule gebastelt wurden immer gewürdigt. Ein paar finden sich sicher noch in einer der Erinnerungskisten... aber. Ich habe auf den Muttertag nie großen Wert gelegt. Und so unterblieb dieser folglich in den späteren Jahren.

 Ein einziges Mal hat mich das Geschenk eines meiner Kinder zum Mutttertag allerdings zu Tränen gerührt.

 Als mein erster Sohn etwa drei Jahre alt war, hat er am Muttertag für mich Frühstück gemacht, Es fanden sich auf dem Tisch : Ein kleiner Strauß Wiesenblumen, zwei tiefe Teller, große Löffel, ein Glas und ein Tetrapack Apfelsaft und eine geöffnete Dosen kalter Suppenlinsen, die noch im Kühlschrank gestanden hatten. Auch mein damaliger Gefährte wurde mit zu Tisch gebeten und reagierte derart abfällig und zynisch auf den gedeckten Tisch, daß in meinem Herzen jeder Vatertag ab sofort erstorben war. Hat sich dann auch bald erledigt. 

Es ist Ramadan und in muslimischen Familien wird am Abend köstlich gespeist, Ich durfte dabeisein und habe heute zum ersten Mal grüne Mandeln gegessen... eigentümlich köstlich.

Heute abend werde ich das erste Mal wieder ohne irgendwelche Einschränkungen zu meiner arabischen Familie gehen können. Ich bin geimpft und die Familie genesen. Seit einem Jahr haben wir uns nicht mehr richtig mit freiem Herzen treffen können und ich werde einen Strauß Blumen für die Mutter und ein Geschenk für das Kind mitnehmen. 

 Muttertag !!!


Freitag, 23. April 2021

10 Tage Olle Kamellen

 Die Tage bis zur Rente nun sehr überschaubar, an zwei Händen abzuzählen, habe ich beschlossen, statt Vorschau und Päneschmiede nun ein paar olle Kamellen zu erzählen. Aus meinem Krankenhausleben.

es gibt kaum Fotos von mir aus jener Zeit, hier bin ich etwa 18 Jahre alt, ein Urlaubsfoto aus Dänemark, ich bin gerade 11 Stunden Auto gefahren und sehe deshalb so verpennt aus

Zwar ist das immer so ne Sache, aber die Geschichten sind so alt, daß die meisten Beteiligten längst das Zeitliche gesegnet haben.

Meinen legendären Arbeitsplatz habe ich mir im Jahr 1975 einfach mal so auf gut Glück selbst gesucht. Ich wollte aus der Kleinstadt nach Hannover ziehen, auch endlich ein Zimmer in der Stadt in einer WG haben, statt beim Freund in der Wohngemeinschaft Dauergast zu sein.

Ich suchte mir eine gemütliche Telefonzelle mit intaktem Telefonbuch und habe einfach der Reihe nach die hannoverschen Krankenhäuser durchtelefoniert und  nach einer Arbeitsstelle gefragt. Das zweite war schon das Nordstadtkrankenhaus. Ja, ich könne mich vorstellen, bekam einen Termin genannt und war glücklich.  

Viele Gedanken habe ich mir nicht darüber gemacht, am besagten Tag habe ich dann verschlafen und musste nachsehen, wo dieses Krankehaus überhaupt ist. Und was zieht man für ein Bewerbungsgespräch an. Was richtig Ordentliches hatte ich nicht, also musste der Jeansrock ausreichen und dazu spanische Stoffschuhe, Espandrilles.

Viel zu spät losgefetzt, leider begann es stark zu regnen und so kam ich mit völlig durchnässten Stoffschuhen dort an. Zu Oberschwester Edith, kurz Oberedith genannt, ins alte Schwesternhaus solle ich gehen.

Die nassen Strohschuhsohlen hinterließen im gebohnerten Treppenhaus und auch in Oberediths Büro, vor Nässe quietschend, große Wasserlachen, meine Zeugnisse hatte ich in einer lappigen Stofftasche dabei und ich war schrecklich nervös. 

Ich habe die Stelle trotzdem bekommen... ein Jahr dachte ich, dann wollte ich noch weiterlernen, vielleicht Abitur, vielleicht studieren.  

Die nassen Schuhe habe ich auf dem Rückweg in einen Papierkorb geworfen und bin barfuß nach Hause gefahren.

 15.Juli 1975. 

Am 1. August habe ich im EKG des Nordstadt Krankenhauses angefangen zu arbeiten. Endlich Hannover !


 

Mittwoch, 17. März 2021

47 langsamer Tag


 Ein langsamer Tag mit allerlei Haushälterischem und etwas Gärtnern. So richtig kommt der Frühling noch nicht in die Strümpfe und da haben wir etwas gemeinsam, der Frühling und ich. Das Gärtnern habe ich deshalb auch vorzugsweise drinnen betrieben ( Pflanzen pikieren), denn draußen ist es noch zu kalt für die zarten Dinger.

Diese Dinger hier allerdings erfreuen sich großer Blühfreude. Bei mir im Garten ob des Schattenplatzes noch nicht ganz so weit, stehen diese Prachtexemplare an einer warmen Hauswand in voller Sonne. Das wird schon noch werden.

Passend dazu fiel mir der olle Poesialbumsspruch ein, der in ordentlicher Mädchenschrift sogar zweimal in dem meinigen Album zu finden ist. : 

Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.

 Der Spruch hat mich damals schon geärgert, allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, was rein bedeuten sollte ( ich dachte dabei immer ans Händewaschen) , außerdem fand ich die Diffamierung der Rose auch damals schon nicht zulässig. Aber das war eben Mädchenerziehung in früheren Jahren ( ich weiß nicht, wie alt der Spruch ist), in den 60zigern haben die meisten Eltern den noch unterschrieben, meine auf jeden Fall. 

Zur allgemeinen Erheiterung zeige ich Euch außerdem heute nochmal ein wiedergefundenes und restauriertes ( ihr wisst schon," bescheidene "  Grafikerinnenkenntnisse, und die sind wirklich bescheiden !)  Jugendfoto. Etwa 20/21 Jahre bin ich da alt. 

Ich habe eine Heilerdemaske auf dem Gesicht, wegen der Pickel, möchte aber gleichzeitig ungern auf die Kippe verzichten. Vielleicht ein wenig kurz gedacht, aber man ist schließlich nur einmal jung ! Und mit der Maske sieht man die Pickel ja auch nicht !

 

Und zu guter letzt. Ein bezauberndes Lied von und mit Mick Hucknell, der früher auch einmal besser ausgesehen hat. 


Dienstag, 9. Februar 2021

82


 An fünf Fingern können wir sie abzählen, die Winter in denen es so viel Schnee wie zur Zeit gegeben hat, seit wir in diesem alten Haus wohnen. 


Das Foto mit der schwangeren Schneefrau entstand im Winter 93/94, im Hintergrund auch deutlich unsere Bruchbude zu sehen, noch fast komplett unsaniert mit kaputtem Dach !

 Ich erinnere mich, es war ein wirklich harter und anstrengender Winter. Mein zweites Kind war 3 Monate alt, ein sehr, sehr lebhaftes Kind, das sehr, sehr, sehr schlecht bis überhaupt nicht schlief und dazu unsere Fachwerkruine. 

Keine Heizung, nur Einzelöfen, so zogen wir mit dem Brennholzeimer von Feuerstelle zu Feuerstelle und am Ende des Winters konnte ich verstehen, warum unsere Vorfahren so unglaublich glücklich über den Frühlingsbeginn waren.  

Das heutige Leben in dem alten Haus ist kein Vergleich mehr zu dem Leben hier im Jahr 1993. 

Kalt ist die Diele immer noch, aber die Zimmer sind warm, es gibt eine gut funktionierende Heizung und ein großes Bad.  Im kommenden Winter haben wir hoffenlich diese Corona-Sache im Griff und auf der Diele wird noch ein zusätzlicher Ofen stehen. 

Ich glaube, in diesem Jahr werde ich unglaublich glücklich über den Frühlingsbeginn sein.

 Da ist dann bald der 1.5. und damit der Beginn meiner Rentenzeit. Gerade wird mir die Zeit bis dahin ziemlich lang.


Nicht weil ich meine Arbeit so schwierig finde oder sie ungern mache, sondern weil ich mich vor der Veränderung fürchte. Auch.

So, Tag 82 geht zu Ende und ich muss mich heute ein wenig zusammenreißen und den Kopf hoch halten... gibt so Tage.


Freitag, 5. Februar 2021

86 Tage bis zur Rente

 .... so stieg ich denn heute in mein Boot und schiffte den Sperrmüll zum Recyclinghof. 

Dort im Außenbereich dank FFP2 Maske im Nebel stehend, ( ohne Brille ist auch keine Alternative), bot mir eine Dame ihren Gartenkram an, den sie wegen Aufgabe des selbigen entsorgen wollte. Hab ich tatsächlich noch brauchbare Dinge in der bunten Tüte gefunden, unter anderem 3 ! neuwertige Gartenscheren. Ich bin nämlich einer der weltbesten Gartenscherenverschlamperinnen, bzw. im Regenliegenlasser ! Und auf dem Metallcontainer wartete an alleroberster Position eine gut erhaltene Crepe-Pfanne auf mich und so hatte das Ganze doch ein wenig Flohmarktcharakter. 

Insgesamt ist aber eine zunehmende, kollektive  SAD-Symptomatik zu verzeichnen, die Stimmung ist schlapp, gereizt, zuweilen hysterisch.

 Licht, Wärme und Spaßmangel. 

Da wende ich mich lieber meinen ausgemusterten Handarbeitsbüchern zu. Dieses Exemplar stammt aus dem Jahre 1974. 

Ja. die Studentenbewegung war über uns hinweggeflutet und hatte manch Änderung im gesellschaftlichenen Kontext gebracht. Antiautoritäre Kinderläden waren entstanden, Frauen kämpften weiterhin für Gleichberechtigung, aber das Leben ist bunt, bisschen Hippie ist auch noch.

 Ich befinde mich im 2. Jahr meiner Ausbildung, bin irgendwie heimatlos und trage meistens ein Strickzeug ( ein bunter Sack, ohne Anleitung und überwiegend unförmig), mit mir herum, wenn ich zwischen Arbeitsstelle, Freund und zerfallendem Elternhaus pendele. Eigentlich war ich eine arme Socke.

Ganz anders in der Broschüre : Stricken macht Spaß.

Dicht gedrängt sitzen die glücklichen Strickerinnen, originelles Wollenes (100% Acryl ), tragend und fertigend um einen Tisch, lachen affektiert und werden daei von einem Wollknäuel mit Augen gestalkt.

 Die unsympatische Figur, wohl inspiriert durch die Sesamstraße, die später vom deutschen Fernsehen mit unsäglichen Gestalten kopiert wurde , kann einem das Stricken ebenso verleiden, wie die exaltierten Modelle. 

Mützen mit Bommeln, die INS Gesicht hängen.

 Pompontiere und gestricktes Spielzeug, daß dem gruseligsten Clownsfilm alle Ehre machen würde, setzt dem Faß den Strickhut auf.

 Haben wir sowas angehabt ? Haben wir mit PomponTieren gespielt, fanden wir die süß ? Ich kann mich nicht erinnern. 

Auch hier, zugegeben, ein paar brauchbare Grundmodelle, aber insgesamt, auch wenn kulturhistorisch bedeutsam, (ich hoffe ich trete hier niemandem zu nahe ), ... der Weg in die Tonne ist frei.

 Es sein denn, wie bei dem vorigen Buch : Gegen Portoerstattung zu Euch ins Kuriositätenkabinett. 

Übrigens finde ich es sehr nett, so viele Rückmeldungen auf die Handarbeitsbücher zu bekommen, danke. Nur weiter so.

" was ist Marmor-Color " ? Mein Hoppy ! ( gerade habe ich gesehen, daß dieses nette Video nicht direkt anzusehen ist, einfach dem Link folgen, dann gehts )


Und morgen kann ich mal wieder ganz normal zur Arbeit gehen. Auch schön.

Mittwoch, 27. März 2019

Mäntelchen


Das schöne am Älterwerden ist die Möglichkeit, Verläufe und Entwicklungen zu überblicken. Von meinen 61 gelebten Jahren sind mir, sagen wir mal 57 in deutlicher Erinnerung.  Das ist doch schon ganz ordentlich.


Mein ältester Sohn ist Jahrgang 82. Wir schreiben das frische Jahr 85 und ich habe Elterndienst im Kinderladen.
 Elterndienst im Kinderladen, das kann, das soll , das muss ! 

Richtig Bock habe ich nicht.

  Der Erzieher und ich wollen mit der ganzen Zwergengruppe auf den Spielplatz. Wie gesagt, das Jahr ist jung, es ist Mitte Februar und es ist bitterkalt.
Neun von den Zwerglein lassen sich bereitwillig in Mütz und Schal , in Joppe und Handschuh kleiden , nur A. weigert sich standhaft, sein Mäntelchen anzuziehen.
Sein Mäntelchen ist fast bodenlang, es ist in kräftigem Rosa gehalten und mit einer Blütenborte verziert. Vormals gehörte es A.s Cousine, die dem Textil entwachsen war und es an A.s Mutter weitergegeben hatte.

 Diese, damals arme Studentin, hatte es gern übernommen um es dem Sohne anzuziehen.
 Aber A. möchte dieses Mäntelchen nicht anziehen, denn es ist ein Mädchenmantel und unter seiner Würde, so ! SO ! SO !

Neun fertig angeklaterte Winterkinder warten nun auf A. der sich mit zusammengepressten Lippen und steif an den Körper gedrückten Armen der Ankleidung entzieht. 
Wir stehen unter Druck, die Gruppe wird quengelig und eine Ende von A.s Widerstand ist nicht abzusehen.
Ein Kinderladen ist ja nun etwas zutiefst demokratisches, etwas, in dem die Kinder auch Selbstregulation lernen sollten und Selbstbestimmung.( A. kann das schon, das mit der Selbstbestimmung )
 Allein lassen konnten wir den Schreihals nicht , eine andere Jacke gabs nicht.
 Also Mäntelchen unter meinen Arm geklemmt und los. Wird er schon kommen , der kleine Wüterich und ums Textil bitten.(Selbstregulation , ha ! ) 


Eine Stunde waren wir unterwegs, der kleine Wicht jämmerlich bibbernd, aber tapfer im Widerstand.
Das Mäntelchen wurde, auch  vor Kälte schlotternd und blaulippig ,verschmäht, verfemt, ignoriert.
 Erzieher Clemens opferte dem Kleinen seinen viel zu großen Pullover,  schließlich konnte ich das Ganze nicht mehr ertragen. Ich bot dem Winzling an, ihn wenigstens den Weg zum Kinderladen zurück zu tragen und zwar unter meiner großen Jacke . Erschöpft und durchgefroren hat er endlich aufgegeben,  lies sich hochnehmen und wärmen.

 Das ist inzwischen 34 Jahre her. A. hat den Vormittag ohne Schaden überlebt, das Mäntelchen verschwand anschließend sang und klanglos in der Kleidertonne und A. bekam eine ihm genehme Jacke.

Heute kommt A. um ein Mäntelchen nicht mehr herum, zumindest zeitweise.
 
A. ist Jurist geworden, genauer gesagt, Strafverteidiger. Immer, wenn ich das Wort Anwalt höre, muss ich an den Mädchenmanteltag denken, an dem der Kleine ,mit Zähnen und Klauen, für das kämpfte, was er nicht wollte. Eigentlich war er damals schon Anwalt. 

 Sollte ich einmal straffällig werden, dann ist meine Wahl der Verteidigung klar. Und ganz sicher wird A.dieses Mal sein Mäntelchen tragen, bodenlang und schwarz !!!


Warum ich das erzähle. Weil ich aufräume und dabei viele Dinge aus meinen  gelebten Jahren wiedertreffe.


 Heute war ich an einen anderen Mantel (bodenlang und schwarz); geraten, den Gothic-Lieblingsmantel des mittleren Kindes, ein erinnerungsträchtiges Stück. Ein paar Jahre war dieses Kleidungsstück nicht wegzudenken aus den Gewohnheiten des Sohnes. Er war sozusagen der Mantel.



Sehr viele Sachen  habe ich schon entsorgt, bei den meisten habe ich kein Problem, sie wegzugeben. Manches allerdings ist emotional hoch besetzt und da fällt es mir schwerer, dauert es länger, den Gegenstand ziehen zu lassen. 
Wie beim Gothic-Mäntelchen.... Ach ja...

Der Wandlungsprozess vom Familienhaushalt zur Paarwohnung beschäftigt mich sehr.
Ist einer meiner wichtigsten Themen. .. das wird hier schon zu merken gewesen sein. Manchmal brauch ich da ein warmes Mäntelchen..

.Aber keine Bange, ich bin nicht deprimiert oder so. Nur nachdenklich !



Mit Würde gealtert, dabei immer er selbst. Der Schorsch. Den ich vor kurzen bei einen Konzert im Pavillion mit altem und neuem Liedgut erleben konnte. Immer noch verrückt, immer noch ein bisschen jung und auf jeden Fall ein bisschen weise. Passt scho !




Dienstag, 5. Dezember 2017

Adventskalender für Gaudence, Türchen Nr. 5, Antike Diwandecke aus Gobelinstoff

Und schon sind wir bei Türchen Nr. 5 angelangt. Bisher bin ich mit dem Verlauf der Aktion hoch zufrieden.




 Nur warum die schöne Lehrtafel noch keine neue Herberge gefunden hat, erschließt sich mir nicht. 
Übrigens : die nicht verkauften Dinge ( ja das gibt es ! ) gehen nach einem Resterampepost ins große Haifischbecken. So Mitte, Ende Januar, also noch ist nichts zu spät.


Heute im Angebot : Wertvolle und mindestens 50 Jahre alte Diwandecke aus schwerem Gobelinstoff.
 Ihr habt keinen Diwan ?
 Ein Sessel geht auch
 Die Maße des Exponates sind : 2,00 mal 1,30 m .




Wer weder Sessel noch Tisch noch Sofa damit belegen möchte : Ganz mutig zerschneiden und etwas Tolles daraus nähen. Genau zu diesem Zweck hatte ich die Decke erstanden.

 Aber dann hab ich mich nicht getraut, sie zu zerschneiden, fand es auch irgendwie schade und nun geht sie für den guten Zweck von mir.
 So .  


 Für ein Mindestgebot von 12 Euro plus 5,00 Porto könnt Ihr mit der Decke nach Belieben verfahren....

Einfach ne Mail mit Eurem Gebot an gitta.misera@gmx.de oder über das Kontaktformular.

Um 24 Uhr am 6. Dezember erhält das höchste Gebot den Zuschlag und alsbald Nachricht darüber.

Apropos Nachricht : Mit den Absagen bin ich etwas verzügig, aber heute ist meine letzte Nachtwache und dann bin ich wieder zu Hause und kann mich schneller melden, versprochen. 
Ein gut Teil der Aktion besteht aus wirklich netter Kommunikation, die mich immer wieder freut und die für mich sozusagen eine schöne Nebenwirkung der Tablette Adventssaktion darstellt

Auf der Erinnerungstour durchs Haus habe ich gestern die Duplo-Steine der Kinder neu verpackt um sie für kleine Besucherkinder und für spätere Generationen zu bewahren. 


Dabei fällt mir immer wieder zusätzlich Gestaltetes in die Hände, das die Kinder nach Bedarf verändert haben. Für den Bahnhof brauchte man anno 1998 noch ein Schild und der Duplo-Zug ist sogar angekommen. 

Heute können die "Kinder" Hannover nicht nur schreiben..., sie wohnen sogar dort ( und zwar alle Drei und das ist gottseidank nicht weit weg, !)

Montag, 4. Dezember 2017

Adventskalender Türchen Nr. 4, kleiner Emailletopf mit Punkten


Jedem Topf sein Deckelchen ... oder für jeden Tag ein Töpfchen oder für jeden Adventstag ein Türchen. Wie dem auch sei. 


Heute am 4. Dezember findet sich im Adventskalender ein kleiner, roter Emailletopf mit Punkten. Schon als Kind, lange bevor dieses Muster zum Trend wurde, habe ich gepunktete Dinge gemocht.


Dieser keine Topf fasst einen halben Liter Inhalt, er ist innen und außen gut erhalten und sauber, sodass man darin sogar noch etwas kochen könnte.  
Für ein Startgebot ab 4 Euro plus 4,00 Euro Porto könntet Ihr ihn zu Gunsten der guten Sache erwerben. 
Einfach eine Nachricht an gitta.misera@gmx.de oder über das Kontaktformular senden.



Das höchste Gebot bekommt am 5. Dezember um 24 Uhr den Zuschlag.

 Die Nachricht darüber werde ich allerdings erst am Morgen danach senden können, weil ich noch Nachtdienst habe und von dort keine Mails verschicken kann. 

Was das Ganze soll, könnt Ihr hier nochmal nachlesen.

Die weiße Pracht vom Sonntag ist bei uns fast schon verschwunden und einer nassen Patsche gewichen.
 Diese kleine Schneelandschaft hingegen hat vor langer Zeit mein Sohn Linus als Kind einmal für mich gebastelt.



Der Schnee aus Styropor hat sich gut gehalten und der kleine Schneemann wacht tapfer vor dem verschneiten Häuschen. 


kleiner Schneemann, zwei Styroporkügelchen hoch !
 

Da ich im Moment viele Dinge in unserem Haus aufräume und auch vieles aussortiere, ist mir dieses Relikt in die Hände gefallen. 

Es hat mich gerührt, mich ein wenig melancholisch gemacht und darf natürlich bleiben...

P.S: Die schöne Bildtafel ist noch zu haben, Korb und Glasflaschen haben schon einen Liebhaber gefunden.

Donnerstag, 3. August 2017

Fäden


Ein Monat ist vergangen, seit dem letzten Eintrag. Viel länger, als geplant, hat diese Pause gedauert. Unverhofft viel freie  Zeit hat mich hineingezogen in den Modus des Umkrempelns meiner gesammelten Habe, meiner gesammelten Ideen. Und es gab tatsächlich für mich keine Pause, in der ein Zwischenstand beschreibbar gewesen wäre.
  Obwohl ich mich fast täglich ein wenig im Staub gewälzt habe, weil mich das Nichtschreiben mit tatsächlich so etwas wie einem schlechten Gewissen erfüllt hat.


 Und gerade in den letzten Tagen erreichten mich etliche Nachrichten von netten Leuten, die ich über den Blog kennengelernt habe, zumindest virtuell und die mich ein wenig zurückgerufen haben in die Internetpräsenz. Voila.


Seltsam, daß ich eigentlich darüber schreiben wollte, wie viele Dinge das alte Haus verlassen haben, von wie vielem ich mich getrennt habe. Und dann fällt mir nur ein, zu schreiben, was ich alles geschenkt bekommen habe, im letzten Monat.


 Kiloweise Wolle dieser wunderäugigen Alpaka-Wesen. Ein superbequemes Bett fürs Gästezimmer, das ich dann auch endlich in smaragdleuchtendem Blau gestrichen habe...


Es kamen Karten von lieben Bloggerfreunden ( Danke Mirjam für Deine Geduld mit mir !)  Und heute erreichte mich ein weiches Paket mit einem schönen farbigen Vlies Rohwolle, das Andreas von Ackerbauinpankow in ENGLAND !!! für mich organisiert hat.


 Da, meine Lieben, kommt schon Rührung auf. Ich fühle mich reich beschenkt. Und bin es wohl auch. 

Danke ! Danke ! Danke !

 an alle lieben Menschen und an das Leben.

Beinahe ist dieser Sommer der erste, in dem mir die Gartenarbeit nicht fruchtlos erscheint, ich nicht hemmungslos verzweifele und schließlich gen Julimitte aufgebe.


Tatsächlich habe ich das Gefühl, daß ich, dilettantisch und keineswegs professionell gärtnernd , etwas anlegen kann, das eine Vegetationsperiode von ein paar Monaten überleben kann.
 Mag sein, daß die Sichtweise geändert ist, mag sein, daß die nachbarlichen Kriterien einfach verblichen sind. So, wie sich in der Nachbarschaft ein lebenszwingender Generationswechsel vollzieht, der die Alten in die Ruhe bringt und die Jungen noch andere Prioritäten setzen lässt.

Ist jedenfalls keiner da, der meinen Garten unordentlich oder gar nichts findet.

Also mäandere ich durch das explodierende Grün und freu mich an dem, was ich hier zu Stande bekomme.

Und besonders während der Regentage habe ich meine Fäden im Haus geordnet

Ich habe  dies im buchstäblichen Sinn getan, sortiere die vielen schönen Materialien, sortiere angefangene Projekte, manche liegen schon jahrzehntelang in Kisten , Körben, in Schränken...


Und ich ordne innere Fäden. Und schlage Schneisen in die Wälder der Dinge. Schaffe mir sozusagen gangbare Wege. Jedes aussortierte Ding macht das Haus und meine Pläne etwas leichter.

 Schränke, die ich nicht mehr schleifen, streichen, einräumen muss. 
Pullover, die ich nicht fertigstricken werde, weil sie mir längst nicht mehr passen. Stoffe, die mir nie wirklich gefallen haben und die mir dennoch Aufforderung waren. Weg, raus damit.....

Angekommen nun, nachdem ich schon jahrelang theoretisch das Gefühl vorweggenommen habe, am Ende der Familienzeit.

 35 Jahre als Familienmutter liegen hinter mir, und nichts lässt sich konservieren, nichts zurückholen. Natürlich sind die Kinder nicht " weg". Wir unterstützen und begleiten, wo wir können und wollen. Wir haben guten Kontakt und ich hoffe,  das bleibt auch so.

 Dennoch. 
Es ist einfach, was es ist.  Eine große Lebenwende.

 Und Zeit für neue Pläne. 


Die haben wohl viel mit Wolle zu tun,  mit handwerklichem Tun, viel mit sozialer Arbeit . 
Ich freue mich darauf. Und ich verspreche hier nichts. Aber ich werde mich bemühen...

mein neuestes Rädchen. Es heisst Marianna und es ist ein nettes , kleines Louet-Rädchen, das ganz leise und unaufdringlich sehr schönes, weiches Garn spinnt.

 Danke dafür, Ewa !!!

 Zu guter Letzt: 
 noch ein kurzer Video-Clip der Theatergruppe meiner Tochter. Dieses, mein jüngstes Kind ist unlängt 21 Jahre alt geworden und es ist eine Freude, Ihren Weg zu verfolgen und zu unterstützen ( sie ist die blonde , mittlerweile kurzhaarige junge Frau). 


Light your Fire from IKJA e.V. on Vimeo.

Bis bald....! 

Sonntag, 2. Juli 2017

Woanders

waren wir an diesem Wochenende.



Nämlich in Einbeck. Und ohne Grund wären wir dort nicht hingefahren. Schon in unserer " aktiven" Elternzeit haben wir uns hin und wieder einen Konzertbesuch in einer anderen Stadt gegönnt. Meist, weil der gewünschte Künstler nicht in der Nähe spielte. Und wenn an schon mal dort war, woanders, dann hat man auch gleich ne Hotelübernachtung drangehängt und ein wenig den Ort erkundet.


So begaben wir uns nach Einbeck. Nicht weit, aber weit genug. Nette, kleine, gut erhaltene Fachwerkstadt. Größtenteils  restaurierte 400 !!! Fachwerkhäuser unterschiedlicher Couleur ( naja, so unterschiedlich dann auch wieder nicht ).


Zwei sehenswerte Ausstellungen haben wir besucht. Den PS-Speicher, eine Ausstellung historischer Fahrzeuge von größerem Format, hatten wir im letzten Jahr schon gesehen, die dazugehörige Nutzfahrzeughalle ( Lastwagen, ) war beim letzten Besuch geschlosssen. Die Ansicht der motorisierten Arbeitstiere haben wir nun nachgeholt.  Nicht so sehr mein Interessengebiet, aber beim Anblick unrestaurierter Laster aus den 30iger Jahren kann man sich schon vorstellen daß das Führen einer solchen Maschine Schwerstarbeit gewesen ist.


Klein aber fein, das Stadtmuseum, und darin besonders bemerkenswert eine Ausstellung historischer Fahrräder. Klar, natürlich ein Sahnestückchen für den Mann, der sich mit historischen Fahrrädern beschäftigt.


Ein schönes Fundstück aus dem Museumsshop ist der Faksimilekatalog des ersten Versandhauses, gegründet vom Einbecker Unternehmer August Stukenbrock. 
Von dort aus verschickte er seine Alltagswaren in die ganze Welt.


Von Beginn des vorigen Jahrhunderts bis in die frühen 30iger Jahre konnte der geneigte Käufer aus dem, jetzt kulturhistorisch bedeutsamen Katalog Waren wählen, die heute größtenteils nur noch auf Flohmärkten zu finden sind und dort  ganze Vintage-Fraktionen zum Glückskollaps bringen würden.
 Es gibt den Katalog auch noch in der Ausgabe von 1912 und 1926. Vielleicht mal als Geschenktip .

....hier hätt sich auch der Schorsch Ringswandl, der eigentliche Grund der kleinen Reise seine Zither bestellen können.

 Nach Vorerfahrungen der eher desillusionieren Abteilung, war meine Euphorie bei Beginn des Konzerts verhalten. Picke-packe voll besetzter Konzertort, dicke Luft herinnen im alten Gasthaussaal.
Was, wenn der spinnerte Kardiologe im neonbunten Anzug auf der Bühne  gaggerfidel versucht zu springen und zu tanzen ?  Oder er zeigt, wie andere Ikonen meiner frühen oder späteren Jugend einfach mal ne tolle Diashow...,
kann sein, du !

Tat er nicht ! 
 Angetan mit überwiegend schlichtem Gewand, noch immer scharf in Profil und Geist, begleitet von netten, jungen Musikanten, hat Ringswandl immer noch Herz und Verstand , müht sich redlich, die teilweise sehr mundartlichenTexte verständlich zu singen...
Glaubwürdig, gemildert und immer ehrlich am Wesentlichen des Menschseins, konnte der Abend mich sogar in die Gefilde des Rythm and Blues entführen. ( Das heisst scho was.)

 Fazit : Unbedingt empfehlenswert. 

Wer eine aufrecht gereifte Persönlichkeit und kein Abziehbild des eigenen Erfolgs auf der Bühne erleben möchte :

auf gehts  Madln...( und Buam )* 1


Obacht,  einfach mal woanders hinfahren und den Schorschi anhören !


* 1 :   bairische Vokabeln

 * 2 : https://ps-speicher.de/

* 3 : http://www.stadtmuseum-einbeck.de/