Sonntag, 21. Juni 2020

Fast Johanni



 Wann, wenn nicht heute, wird es endlich, endlich einmal wieder Zeit, einen neuen Post zu verfassen.  Nach Wochen und Monaten der Unsicherheit, der endlosen Meinungsfindung, der Distanzierung von allem Möglichen und dem Zurückkommen zu Spaß und Freude. 
Mehr als ich erwartet habe, hat mich die ganze Corona-Geschichte beschäftigt, ja auch besorgt und absorbiert. Überdies hatte sich der Monitor meines Laptops in ein kurz vor dem Kollaps stehendes Streifenhörnchen verwandelt und glücklich herumspringen und schöne Dinge fotografieren konnte ich sowieso nicht.
 So viel Verdrängungskunst kann ich nicht aufbringen, denn eigentlich bin ich eine Grüblerin und Eine , die sich ständig sorgt.


Heute morgen wanderte ich dann so im Nachthemd durch den Garten, in dem sich in den letzten Monaten richtig viel verändert hat und war so erfreut von der Schönheit und Ruhe dieses Sommermorgens, dass ich mich entschloss...
Nach vielen Jahren arbeiten und leben auf dem Land hat sich mein Wunschtraum von einem Gemüse und Wildgarten in diesem Jahr zunehmend erfüllt.



Viel Arbeit und Liebe stecken bis jetzt darin. Wir waren überwiegend in der Freizeit hier auf der Scholle, wir haben jede Menge Platz, ein Luxus, der mir sehr wohl bewusst ist, und damit kam gar nicht das Gefühl von Eingesperrtsein auf. 




Vielmehr hat es dem, uns anvertrauten Stück Erde richtig gut getan. Ein Teil des Hühnergeheges ( keine Angst, den Hühnern fehlt es nichts, sie sind sozusagen mittendrin dabei ),  ist wieder wachsende Gräser und Blumenwiese, ich beobachte welche Wiesenpflanzen von allein den Weg auf das Land finden und sähe umsichtig einiges an Wildblumen an. 


Dank eines geschenkten Mulchmähers, der andernorts keine Gnade mehr gefunden hatte, kann ich Wege und Anbauflächen so gestalten, daß beides noch benutzbar, aber nicht kahl geschlagen wird. Das kräftige Mähgerät hinterlässt nämlich eine gut zerkleinerte Schicht an Pflanzenmaterial, die einfach liegenbleiben kann und dafür sorgt, dass die Blümchen im kommenden Jahr wieder aufwachsen können. 


Die Schafschur ist gottseidank vor zwei Wochen auch endlich erledigt worden. Der erste Scherer hatte uns sitzengelassen und das war für unsere Schafstierchen doch recht unangenehm.( Acht Stunden im Stall warten, und dann kommt keiner ! ) .

 Nun ist aber ein würdiger Ersatz gefunden, der auch noch gleich ein paar Vliese mehr hiergelassen hat ( Heini !), denn sein Schafswagen ist immer vollgestopft mit frischen Vliesen. Er werde die Wolle in diesem Jahr gar nicht los, wohl wegen Corona, was sich mir ja überhaupt nicht erschließt, aber mir wars recht und so konnte ich mein "nicht-Wolle-Ankaufgebot " locker brechen und meine Halden um ein paar wunderbar duftende Texelvliese aufstocken.

Wollywood-Schaukel , super zum Trocknen nach der Wäsche.

Dort befinden sich in diesem Jahr neu auch einige superfluffige Jakobsschafkleider, eine Wolle, die ich in der Anfangszeit der Spinnerei schon mal hatte und die mir damals gar nicht gefiel, mich jetzt aber in helles Entzücken versetzt.
Überhaupt Wolle : Wie sagt mein arabischer Freund doch so treffend : " Gitta, Andere haben Heroin, Du hast Wolle ! "

Heute Abend werde ich brav auf meine kleine Infektionsstation traben ( noch immer werden Fieberpatienten getrennt vom übrigen Patientenbestand ein paar Tage getestet) . 

Das ist ist gut und richtig so.

 Auch wenn es umständlich ist und ich bei der Arbeit ausssehe wie eine Telefonzelle auf Beinen. ( Schutzkleidung extended Version ) .


So, meine Lieben. Das soll , zusammen mit ein paar Fotos, fürs erste reichen, ein Lebenszeichen von mir gegeben zu haben. 

Ach ja, und ne kleine Musik. Die wunderbare Sophie Hunger wird im August ein neues Album veröffentlichen. Ein wenig war sie, die wunderbare Sophie Hunger, nach dem letzten Konzert in Ungnade gefallen bei mir, weil ich ihre Performance ziemlich schlapp fand. Hat das Publikum ewig warten lassen und dann ein trotziges, uninspiriertes Konzert hingeschmissen. 


Die neuen Stücke sind wieder transparent und ausgereift, ihre besondere Handschrift erkennbar. 

Sei ihr verziehen. 

Und so verzeiht Ihr bitte

auch mir mein langes Schweigen.

 Und schön, daß Ihr noch da seid !!!
 






Kommentare:

  1. Ich freue mich darüber, dass du wohlauf bist und der Garten wunderbar ist, die Fotos geben es gut wieder. Die Vliese sind sogar auf dem Foto zum Reinplumpsen... Alles Gute weiterhin, Gruß Roswitha

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  2. Schön von dir zu lesen und schön, von der Wollywoodschaukel zu erfahren. Liebe Grüße!

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  3. Hallo Gitta,
    schön wieder von Dir zu lesen.
    Hast Du Erfahrung mit Schafwolle im Garten?
    Die Rohwolle soll guter Pflanzendünger sein und auch Schnecken fernhalten, sowie Unkraut dezimieren.
    Schön das Du wieder auf den Beinen bist und Deinen Garten geniessen kannst.
    Alles Gute für Dich und Deine Tiere
    Viele Grüsse von Conny

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  4. Das passt ja perfekt, habe ich dir doch heute Mittag noch einen etwas besorgten Kommentar hinterlassen und nun bist du wieder da. Schön das es dir gut geht!

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