Donnerstag, 19. November 2015

Und wie nun weiter ?

mit dem Blog ? Irgendwie widerstrebt es mir, hier kommentarlos zu meinen Wollen, meinen Hühnern und meinen Flickernteppichen zurückzukehren.

Aber was sonst, der Blog handelt von meinem privaten Leben, meinen Hobbys. Klar, daß ich dabei auch die Außenwelt sehe, denn ich sitze ja nicht blicklos in der Stube und dekoriere vor mich hin. 

 Vielleicht der Moment , ein bisschen von den letzten 6 Wochen zu berichten. Jede Menge Stress hat es gegeben, in und um die Familie, um Gesundheit, um Veränderung. Aber auch das, was man so volkstümlich "Generve" nennt.


Die " Kinder" das heisst Tochter und ihr Freund, der auch bei uns wohnt, sind aus Lettland und dem Baltikum wiedergekommen. Anstrengend bis teilweise unzumutbar war die Arbeit bei den (privaten )Hosts.


Die ökologischen Projekte erwiesen sich in einem Fall als in den Dreck gefahrener Karren, der mit Hilfe von ahnnungslosen Freiwilligen wieder flott gemacht werden sollte. Leider fehlte es dabei an der nötigen Versorung der herangeworbenen Menschen ( ein Pott gekochter Kartoffeln reicht nu nicht als Speise für einen Tag harter körperlicher Arbeit, ist dabei an Lieblosigkeit auch nicht zu überbieten )
   Naja, genug gejammert. Das Internet ist bekanntlich geduldig, jeder kann sich dort darstellen wie er will, und es ist ja auch eine Erfahrung, zu spüren, daß man kaum Perspektiven zur eigenen beruflichen Entwicklung erarbeiten kann, wenn man 10 Stunden mit einer Schaufel in einem schlammigen Graben steht und danach todmüde auf die Pritsche sinkt. Außer natürlich, daß man beruflich nicht 10 Stunden schlammige Gräben schaufeln möchte.

Zu Hause hatten wir uns schon gehörig breit gemacht, in der noch ungewohnten, aber willkommenen Zweisamkeit, sodaß die Wiederherstellung der Hausgemeinschaft eine kleine Umkehr für uns bedeutet hat, die sagen wir mal, nicht spannungsfrei zu bewerkstelligen war.

Aber nun ist alles unter Dach und Fach. Neue einheimische Perspektiven und Aussichten sind entwickelt und teilweise schon umgesetzt. Soweit so gut. 

Kaum war der Hund dann auch noch gesundet, musste ich mir zwei Wochen lang ernsthafte Gedanken über meine Gesundheit machen.
Ich hatte zwei Wochen lang die Gelegenheit, mir zu überlegen, was wäre wenn ?  Welche Unternehmung, welches Projekt wäre mir wichtig
  
 In welches Konzert würde ich trotzdem gehen. 

Das kann schon sehr produktiv sein. 

Jedenfalls hatte ich Zeit, in den Wartewochen, anzufangen, meinen Besitz durchzusehen und reichlich, reichlich auszusortieren. So albern das vielleicht sein mag, mir hat es gut getan.

Am Freitag den 13. bekam ich dann Entwarnung.

Etliche Dinge werde ich noch verschenken und es wird auch dieses Jahr wieder eine Spendenaktion über den Blog geben. Und ich kann hoffen, noch viele Projekte zu Ende bringen zu können.

Am Abend des 13. kamen die Terrormeldungen aus Paris, für viele Menschen und ihre Familien wird es keine Projekte mehr geben.... grausame Simultanität des Lebens.

Am heutigen Donnerstag bin ich froh darüber, daß ich mir Sorgen und Gedanken über meine Kinder und all meine anderen Lieben machen darf.

Weil sie noch da sind. 

Das Generve der vergangenen Wochen erscheint mir als unwichtig und kleingeistig. Pille Palle !

Weil angesichts der Situation klar wird, was wirklich wichtig ist. 
Natürlich darf ich mich über schöne Dinge freuen, aber ich sollte Dinge nicht zum Zentrum meines Handelns machen. Sondern die Menschen, die mir mehr oder weniger anvertraut sind.....

Zur Zeit produziere ich neben meinen abendlichen Spinnereien gern Flickenteppiche aus Stoffresten und unbrauchbaren Altkleidern. Und eigentlich sind diese Flickenteppiche ein Symbol für meine Art zu denken. Ich nehme einfach Stoffe, die mir zufallen, verflechte sie und mache etwas Neues daraus.    

 Wir können dankbar sein, daß wir bisher ein friedliches, sicheres Leben führen durften. Und ich hoffe, daß das auch so bleibt.

Wo ich helfen kann, werde ich es weiter tun.

 Und Stellung beziehen. 

Daß Kriegsflüchtlinge nicht am Terror feiger Krimineller schuld sind.

 Daß es absolute Sicherheit nicht gibt.
 
 Und  daß Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet werden darf. 

Nun kehre ich( vorerst) zu meinen Wollen, den Hühnern und meinen Flickenteppichen zurück. Aber nicht kommentarlos. 


....Und wer noch Zeit hat, sich was anzugucken. Der Felix macht auch weiter ! 

Kommentare:

  1. Das erinnert mich daran, dass ich vor 27 Jahren mit meinem damaligen Freund und meiner Mutter in einer 2-Zimmer-Wohnung gelebt haben. Die Mutter das Wohnzimmer und wir zwei beide das Schlafzimmer. Ging alles, aber wahrscheinlich habe ich damals meiner Mutter wohl viel abverlangt......
    Schön, dass der 13. auch gute Nachrichten brachte.
    Liebe Grüße

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  2. Ach Gitta, so lang hab ich nicht mehr gelesen oder auch selbst geschrieben, zurückgezogen, nachgedacht...Änderung, Veränderung. Jetzt lese ich hier bei Dir und es beruhigt mich irgendwie und ich freue mich, dass der 13. Dir Entwarnung brachte ! Das was danach kam war leider alles andere als Entwarnung. Nein es gibt keine Sicherheit.......
    Ich freue mich wieder auf die Spendenaktion und bin auch in diesem Jahr wieder gern dabei !
    Deine Flickenteppiche werden toll. Ich wünsch Dir eine schöne Zeit, liebe Gitta,
    Liebe Grüße,
    Birgit

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  3. Liebe Gitta,
    wie schön Du das schreibst und deine Art zu leben dabei so gut illustrierst: nehmen was da ist und das beste draus machen.
    Die Entwarnung der drohenden Diagnose lese ich mit großer Erleichterung. Die Spannung solcher Wartezeit ist nicht leicht zu ertragen und trotzdem rückt es viel zurecht und die Kostbarkeit unseres Lebens wird neu gefasst.
    Ich schicke Dir ganz liebe und mit- fühlende Grüße!
    Lisa

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  4. Deine Art zu denken gefällt mir sehr. Dafür ist der Teppich wirklich ein tolles Symbol. Das Arbeiten daran hilft auch den Blick zu fokussieren, die Gedanken zu fassen und weiterzumachen. LG mila

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