Samstag, 10. Dezember 2016

Wie ich einmal ein Engel war und Türchen Nr. 10 Leinenhemd

Im Türchen Nummer 10 befindet sich heute eines meiner geliebten Leinenhemden.


 Ich habe einige Exemplare davon. Ich trage sie als Nachthemd oder auch mal als Gartensommerkleid.


 Leinen ist einfach ein wunderbares Material. Kühl im Sommer und warm im Winter.
  Aber schaut selbst. Das Hemd ist einfach geschnitten, schon viele Jahrzehnte alt und, es ist recht groß.


 Ich würde es auf heutige Größe 42/44 schätzen. 
Ein eingesticktes Monogramm macht das Kleinod vollständig und authentisch.

Die Hemden sind ausverkauft:  Sorry !
 
Für 8,00 Euro plus 4,00 Euro Porto könnt Ihr das Hemd erwerben.
 Erlös wie bekannt für die Aktion SeaWatch. Gebote bitte über das Kontaktfomular... 

  Endgültig aufgegeben habe ich das Fotografieren bei Tageslicht. Es gibt einfach nicht genug davon im Moment. Wenn ich die ganze Ausrüstung rausgeschleppt habe, fängt es an zu regnen. Deshalb: Sorry. Lampenlichtfotos.  


Als nächstes bedanke ich mich nochmal ganz herzlich für den umwerfenden Adventskalender, den mir Mirjam zugeschickt hat und für das liebevolle Engelsportrait, das Lisa gefertigt hat.

             

 Das waren wunderbare Überraschungen ! 
 Ganz identifizieren kann ich mich mit dem Titel " Engel " nicht. Ich finde das nicht, daß ich ein Engel bin. Ich bin einfach nur normal.  
Aber ich möchte eine Geschichte erzählen, in der ich doch einmal ein Engel war. 



das ist schon viele, viele Jahre her und .... naja, lest mal selbst. 

Es schreibt sich das Jahr 1974 und Mandeloperationen sind sehr modern. Ich befinde mich in einer ungeliebten Ausbildung und mein Freund hat sich gerade die Mandeln herausnehmen lassen und dadurch 6 lange Wochen frei gehabt. Und ich will das auch.
 Frei haben. Sechs Wochen.

 Ich bin 16 Jahre alt. Ja, der Hals tut mir öfter weh.
Ich gehe zum Facharzt. Er findet es auch gut, meine Mandeln herauszuoperieren.

 Alles geht seiner Wege. Ich bekomme die Krankenhauseinweisung, die heißersehnte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und mache mich frohen Mutes auf in die operierende Belegklinik. Weil mich die Vorstellung, dem vierschrötigen Operateur in die behaarten Nasenlöcher zu sehen, während er in meinem jugendlichen Hals herumfuhrwerkt, doch sehr schreckt, erbettle ich eine Vollnarkose.
 Zur Vorbereitung eben dieser bekomme ich eine ordentliche Beruhigungstablette und werde, ins OP-Hemd gekleidet, auf einer Trage vor den OP geschoben, um als nächste oder übernächste dran zu kommen.

 Der nächste, scheint mir, ist der unglückliche Insasse eines überdimensionalen, geschlossenen Riesengitterbettes. Ein schreiendes Kind von etwa 6 Jahren und mein sediertes Hirn wundert sich , warum ein so großes Kind in ein Gitterbett gesperrt wird.  Mein sediertes Hirn jedoch hat auch Mitleid mit dem wütend und verzweifelt schreienden, augenscheinlichen Knäblein.


 Also steh ich mit wackligen Beinen auf, wanke zu der martialischen Bettstatt, löse das Gitter und nehme das Kind auf den Arm. Es beruhigt sich sofort. Überdies merke ich meine Schwäche, meine aufkommende Schläfrigkeit und weil ich mit dem Kleinen nicht auf den Klinikboden stürzen will, setzte ich den empörten Jungen zurück ins Bett und lege mich selbst wieder auf meine präoperative Liegestatt.

 Es geht dann flugs in den OP, unsere Wege trennen sich wieder und im weiteren Verlauf sehe ich das Kind nicht mehr.

Ungefähr 17 Jahre später sitze ich mit einem jungen Kollegen in einer Kneipe, noch nicht ahnend, daß dieser Bursche in nicht mal einem halben Jahr mein Ehemann sein wird.  Wir sind dabei im Universum der Verliebten zu versinken, erzählen unsere Lebensgeschichten.


 Mein neuer Freund spricht von seiner Mandel-Op. Daß er empört war, in ein Gitterbett gesteckt worden zu sein. Mit sechs Jahren !
 Dass ein Engel gekommen sei und das Gitter geöffnet, ihn auf den Arm genommen habe , dann aber wieder verschwunden sei. Ich erinnere mich noch sehr deutlich an mein Erstaunen über das was er erzählte.
 Ich habe meine Seite der Geschichte an diesem Abend nicht erzählt. Zu sehr hatte ich Angst, diese wunderbare Seifenblase würde zerplatzen, wenn ich daran rühre.
Wie gesagt, wir wissen in diesem Moment noch nicht, daß wir eine lange, lange Zeit zusammen verbringen werden.


Genauso wenig, wie ich als junger Engel im Flügelhemd  vor über 40 Jahren weiß, daß ich meinen zukünftigen Ehemann auf dem Arm habe.

P.S. Natürlich haben wir später diese unglaubliche Geschichte recherchiert. Wir sind am selben Tag im selben Krankenhaus an den Mandeln operiert worden. 1974. Ich war 16 und der kleine Junge, der später mein Mann werden wird, war 6 Jahre alt.

Einmal war ich ein Engel !


Kommentare:

  1. Das Schicksal geht oft seltsame Wege.
    Das erinnert mich an die Geschichte wie ich durch die Ahnenforschung einen neuen Teil meiner Familie fand. Muss ich vielleicht auch mal auf einen meiner Blogs setzen.
    Einen schönen 3 Advent.
    Sanierung

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  2. Das Leben selbst schreibt die wunderbarsten Geschichten ... Danke fürs Teilen
    Herzliche Grüße Moni

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  3. Wunderwunderbar diese Geschichte. Siehste, liebe Gitta. ...
    Und was weißt denn Du, für wen Du noch so ein Engel warst...So manches Huhn wird vielleicht auch Deine Flügel gesehen haben. Oder der ein oder andere Patient, oder junge Mensch ...
    Für mich ist es grade gut, mir alle möglichen Leute unter diesem Aspekt anzuschauen. Ich werde natürlich nicht alle schaffen zu malen. Aber wie toll ist es denn, so viele gute Seiten an den Menschen zu sehen. Doofe gibts ja grad und immer auch genug. Da freu ich mich halt über solche, an denen ich Flügel fantasiere. Wenn das normal ist, gut!
    Schönes Wochenende!
    und lieben Lisagruß!

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  4. Das ist eine wunderbare Geschichte. Danke fürs Teilen! Liebe Grüße, Andreas

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  5. Was für eine berührende Geschichte, liebe Gitta, danke fürs Teilen! Du hast mich damit angeregt! Liebe Grüße Anke

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  6. Wo Engel hausen, da ist der Himmel,
    und sei's auch mitten im Weltgetümmel.

    Hafis (Ḥāfeẓ)
    (um 1320 - 1388) *♥himmlischeszurbesinnlichenADVENTszeitundDIRdas3.Lichtleinanzünd*

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